Kurz vor seiner Abreise nach Islamabad für Gespräche mit dem Iran, betonte US-Vizepräsident JD Vance noch, dass eine Waffenruhe im Libanon nicht diskutiert werde. Doch binnen weniger Tage änderte sich die Lage: Am Dienstag trafen sich in Washington die Botschafter von Libanon und Israel zum ersten Mal seit über 30 Jahren, gefolgt von einer tatsächlichen Waffenruhe. Nachdem Teheran den Golf von Hormus für Öltanker und Handelsschiffe geöffnet hatte – eine Entscheidung begründet mit der neuen Waffenruhe im Libanon – erklärte Irans Außenminister Abbas Araghchi, dass Schiffe auf bestimmten Routen fahren dürften. Dieser Waffenstillstand trat in Kraft, trotz Trumps Ankündigung, die US-Blockade gegen den Iran fortzusetzen, bis alle Vereinbarungen erfüllt seien. Der Konflikt hatte am 28. Februar begonnen und zur Blockade des Golfs von Hormus geführt, wodurch hunderte Schiffe festlagen. Die Ölpreise sanken deutlich nach Bekanntwerden dieser Entscheidung. US-Präsident Trump, der persönlich mit israelischen und libanesischen Führern sprach, verkündete die Waffenruhe über soziale Medien noch vor offiziellen Stellungnahmen aus Israel oder dem Libanon. Dieser diplomatische Erfolg scheint auf US-Druck zurückzugehen. Trump steht unter Druck, Lösungen im Iran-Konflikt zu finden. Die Waffenruhe könnte als iranische Forderung gegenüber den USA angesehen werden. Trotzdem richtete die israelische Armee kurz vor Beginn der Ruhe schwere Schäden im Südlibanon an und zerstörte eine wichtige Brücke. Ob die zehntägige Waffenruhe Bestand hat, hängt von der Fähigkeit ab, Israel und den Iran zu kontrollieren. Trotz Vorbehalten der Hisbollah-Miliz gegenüber einer Ruhe ohne israelischen Truppenabzug, haben die Angriffe auf Israel seit Mitternacht eingestellt – anscheinend auf Anweisung aus Teheran. Der Iran zeigt nun, dass er den USA Bedingungen stellen kann und hofft darauf, dass nach dieser Feuerpause ernsthafte Friedensgespräche folgen könnten. Thomas Gutersohn berichtet seit 2023 für SRF aus dem Nahen Osten.