In einem interaktiven Live-Q&A haben die Expertinnen Ursina Donatsch und Tamara Altermatt sowie Daniel Arnold Fragen zu Liebe, Sexualität und Polyamorie beantwortet. Hier sind fünf zentrale Erkenntnisse aus der Diskussion:
Tamara Altermatt, als Sexologin und Beziehungstherapeutin tätig, betont: «Dies ist eine mutige und zugleich zärtliche Fragestellung innerhalb einer Partnerschaft.» Sie gibt fünf wesentliche Empfehlungen:
Ursina Donatsch, die sich auf Psychotherapie sowie Paar- und Sexualtherapie spezialisiert hat, merkt an: «Die Sozialisierung in monogamen Strukturen ist tief verwurzelt. Ich sehe nicht, dass ein Modell (mono oder nicht mono) natürlicher als das andere ist. Beide Ansätze haben klare Vor- und Nachteile.» Weiter führt sie aus: «Neuesten Umfragen zufolge gehören etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung zu Polyamoristen, wobei es durchaus sein kann, dass Menschen nach einem polyamoren Leben wieder monogame Partnerschaften eingehen.»
Daniel Arnold, ebenfalls ein diplomierter Paar- und Sexualtherapeut, erklärt: «Die Scham in Bezug auf Sexualität ist oft mit persönlicher Geschichte verknüpft. Wichtige Faktoren sind die Art der Aufklärung, gesammelte Erfahrungen sowie das Verhältnis zu sich selbst und dem eigenen Körper.» Arnold fährt fort: «Für viele ist Sexualität ein besonders privates Thema, was eine gewisse Zurückhaltung verständlich macht.»
Tamara Altermatt sieht darin die Wichtigkeit von Selbstkenntnis, der Fähigkeit, eigene Bedürfnisse zu äußern und dabei wahrgenommen zu werden.
Konkret empfiehlt sie: Offene und ehrliche Kommunikation – auch über schwierige Themen –, Konfliktfähigkeit statt Vermeidung, Verlässlichkeit und Vertrauen, gemeinsame Verantwortungsübernahme anstelle von Schuldzuweisungen sowie Lebendigkeit durch Nähe, Sexualität und gemeinsame Entwicklung.
Daniel Arnold weist darauf hin: «Viele Frauen empfinden den Druck, sexuell ‹funktionieren› zu müssen, als belastend. Ein Großteil dieser Belastung ist gesellschaftlich bedingt, etwa die Vorstellung, dass regelmäßiger Sex eine funktionierende Partnerschaft ausmacht.»
Ein häufiges Missverständnis sei, dass Sexualität für beide Geschlechter oft der Weg zur emotionalen Nähe sei: «Es ist entscheidend, sich in keiner Weise – nicht nur sexuell – im Beziehungsleben zu verlieren», so Arnold.
Tamara Altermatt empfiehlt Paartherapie ab Beginn einer Beziehung. Sie bemerkt: «In der Regel suchen Paare erst bei Konflikten Unterstützung, obwohl es von Vorteil wäre, Muster in Beziehungen frühzeitig zu erkennen und zu adressieren.
SRF Club, 14.4.2026, 22:25 Uhr;herb