Die Strasse von Hormus ist erneut Schauplatz des Konflikts zwischen Iran, USA und Israel. Nach einer Phase der militärischen Eskalationen gibt es nun Anzeichen für eine Entspannung, doch bleibt die Lage extrem angespannt. SRF-Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn analysiert die aktuellen Geschehnisse.
Seit 2023 ist Thomas Gutersohn in Amman als Nahost-Korrespondent für SRF tätig. Davor war er bis 2022 Südasien-Korrespondent und zuvor berichtete er aus der Westschweiz. Seit 2008 arbeitet er bei SRF und hat Internationale Beziehungen in Genf studiert.
Der Iran hat bekannt gegeben, die Durchfahrt für Handelsschiffe unter der Bedingung wieder zu öffnen, dass die zehntägige Waffenruhe im Libanon eingehalten wird, die kürzlich begonnen hat. Dies wurde vom iranischen Aussenminister auf X bestätigt. US-Präsident Donald Trump spricht ebenfalls von einer geöffneten Meerenge. Die US-Marine behält jedoch ihre Blockade der iranischen Häfen bei, bis die Verhandlungen abgeschlossen sind. Seit Ende Februar war die Passage faktisch blockiert und hatte so die globalen Energiepreise in die Höhe getrieben.
Diese Öffnung ist ein Zeichen für gegenseitiges Entgegenkommen zwischen beiden Seiten. Die USA haben einem zentralen Wunsch des Irans entsprochen: einer Waffenruhe im Libanon. Daraufhin zeigt sich Teheran bereit, einen Schritt auf die USA zu machen und die Seestrasse zu öffnen. Beide Parteien versuchen so, einen direkten Konfrontationskurs zu vermeiden, aber vorsichtig und schrittweise, da sie ihre Verhandlungspositionen nicht schwächen wollen.
Trotz der jüngsten Deeskalation bleiben die zentralen Konfliktthemen ungelöst:
Die Waffenruhe und die Öffnung der Seestrasse sind deutliche Zeichen für eine Entspannung, und beide Seiten schaffen sich Zeit für Verhandlungen. Allerdings hat die iranische Führung erkannt, dass die Blockade der Strasse von Hormus ein effektives Druckmittel gegenüber den USA ist. Sollten keine Zugeständnisse bei den Sanktionen erreicht werden können, könnte Teheran die Meerenge wieder blockieren. Laut neuesten Meldungen droht der Iran bereits damit, weil die USA weiterhin iranische Häfen blockieren.
Für die internationale Schifffahrt bedeutet dies vorerst keine echte Entspannung. Solange die Streitpunkte nicht geklärt sind und keine verbindlichen Sicherheitsgarantien von allen Konfliktparteien vorhanden sind, werden Reedereien und Händler wahrscheinlich weiterhin zögern, diese Route zu nutzen. Jede Unterbrechung in der Strasse von Hormus, durch die ein Fünftel der weltweiten Ölexporte transportiert wird, hat sofortige Auswirkungen auf Energiepreise und globale Lieferketten.
Echo der Zeit, 17.04.2026, 18 Uhr; srf/harm; lehl