Nach rund sechs Wochen intensiver Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz, die mit dem Iran verbündet ist, tritt eine zehntägige Waffenruhe in Kraft. Die Journalistin Meret Michel berichtet aus Beirut über gemischte Gefühle von Erleichterung und Unsicherheit sowie die prekäre Lage der libanesischen Regierung.
Meret Michel, freie Reporterin mit Sitz in Beirut, beschreibt die aktuelle Situation im Libanon. Nach mehr als einem halben Monat eskalierter Gewalt, einschließlich israelischer Bodentruppen und Bombardements bis zur Hauptstadt, sei dieser Waffenstillstand ein erster Moment der Atempause für die Menschen.
Doch diese Erleichterung ist von großer Unsicherheit begleitet. Die Feuerpause soll zehn Tage andauern und Raum für Verhandlungen schaffen. Ein Hauptanliegen Israels ist die Entwaffnung der Hisbollah, die sich jedoch weigert. Daher besteht die Gefahr, dass Israel nach Ablauf der Frist seine Angriffe wieder aufnimmt.
Die libanesische Regierung sieht sich mit dem Risiko eines bewaffneten Konflikts konfrontiert, falls sie die Hisbollah entwaffnen will. Gleichzeitig erlaubt das Abkommen Israel, gegen geplante oder laufende Angriffe aus dem Libanon vorzugehen – eine Formulierung, die auch während der Waffenruhe Aktionen nicht ausschließt.
Für viele im Land bedeutet die momentane Lage eine Rückkehr ins Ungewisse. Viele Vertriebene kehren in ihre Heimat zurück, obwohl Zerstörung und Unsicherheit überall spürbar sind. Besonders im Süden des Libanons stehen zahlreiche Häuser noch immer in Schutt und Asche.
Die libanesische Regierung versucht derzeit vergeblich, die Entwaffnung der Hisbollah durchzusetzen, da direkte Verhandlungen mit der Miliz nicht möglich sind. Die schwache Position der Regierung basiert auf der Hoffnung, dass internationale Akteure wie die USA Einfluss nehmen könnten.
Ein dauerhafter Frieden scheint für viele Libanesen undankbar. Das Abkommen zielt zwar auf Stabilität ab, doch eine Anerkennung Israels würde von vielen als inakzeptabel angesehen werden – nicht zuletzt wegen der jüngsten Kriegshandlungen mit über 2000 Toten. Auch die politische Lage im Nahen Osten steht einer Normalisierung entgegen.
Das Gespräch führte Christina Scheidegger.