Trotz der Verzögerungen bei der Lieferung von amerikanischen Patriot-Raketen durch die USA setzt sich Bundesrat Pfister mit dem möglichen Kauf eines zweiten Fliegerabwehrsystems auseinander. Kritiker befürchten, dass dies die Armee überfordern könnte.
Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr zeigt das Verteidigungsdepartement (VBS) unter Bundesrat Pfister viel Zurückhaltung bei Grossprojekten wie der Beschaffung von Patriot-Raketen. Obwohl Verhandlungen mit den USA weiterlaufen, bleibt ungewiss, wann die Lieferungen erfolgen werden.
Die aktuelle Sicherheitslage, verdeutlicht durch Kriege im Nahen Osten, zeigt deutlich auf, wie wichtig eine effektive Fliegerabwehr ist. Während Israel und Golfstaaten durch ihre Abwehrsysteme weitgehend geschützt sind, bleibt die Schweiz in dieser Hinsicht verwundbar. Armeechef Benedikt “Bänz” Roos betonte kürzlich bei einem Besuch des Waffenplatzes Thun, dass die Schweiz praktisch keinen Schutz gegen Angriffe aus grösseren Distanzen habe.
Obwohl fünf Patriot-Einheiten 2022 geordert wurden, decken diese nicht das gesamte Land ab. Ursprünglich sollte eine Fläche von etwa 15.000 Quadratkilometern geschützt werden können. Diese Rechnung gilt intern jedoch als veraltet angesichts neuerer Bedrohungen.
Das VBS verzichtet heute auf feste Angaben zur Schutzreichweite, da sich die Bedrohungslage kontinuierlich ändert. Bundesrat Pfister prüft nun den Erwerb des europäischen Samp/T.-Systems als zusätzliche Option. Dies würde die Abhängigkeit von US-Lieferungen reduzieren. Allerdings ergeben sich Fragen zur Komplexität und Kosten, insbesondere wenn beide Systeme simultan betrieben werden müssten.
Während auf bürgerlicher Seite das Vorhaben unterstützt wird, sind Bedenken aus der Linken zu hören. Auch innerhalb der Bundesverwaltung herrscht Skepsis. Die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV) sieht in einem dualen System eine ineffiziente und kostspielige Lösung.
Das VBS bleibt jedoch entschlossen, die sicherheitspolitische Lage als ausschlaggebend für weitere Entscheidungen zu betrachten. Angesichts der angespannten Weltlage muss sich die Schweiz nun zwischen einer Phase der Unsicherheit oder einer potenziell teuren Doppellösung entscheiden.