In den letzten Monaten hat sich das Auftreten rechtsextremistischer Gruppen in der Schweiz verstärkt. Diese Gruppierungen, die unter dem Namen «Active Club» zusammengefasst sind, nutzen Telegram, um neonazistische Symbole, Gewaltfantasien und Drohgebärden zu verbreiten.
Nach Angaben von Recherchen des SRF gibt es in der Schweiz seit etwa einem Jahr mehrere solcher Gruppierungen. Diese bilden ein Netzwerk mit Ablegern in der Westschweiz und im Tessin. Über Telegram kommunizieren sie anonym und verbreiten zunehmend offene neonazistische Propaganda.
Ein besonders deutliches Beispiel ist ein am Ende März auf einem Schweizer Telegram-Kanal veröffentlichtes Foto, das eine Fahne mit den Schriftzügen «Blood and Honour» und «C18» zeigt. Die Organisation Blood and Honour zählt zu den bedeutendsten nationalsozialistischen Gruppierungen weltweit, während Combat 18 als ihr terroristischer Arm gilt. Beide sind in Deutschland verboten.
Die Gruppen stellen auf Telegram Aktivitäten wie Wanderungen, Kampfsport, Schwimmtraining und Auftritte an symbolträchtigen Orten vor. Zudem kündigen sie gelegentlich ihre Teilnahme an politischen Veranstaltungen an. Beispielsweise wurde ein Erscheinen bei einem Vortrag der Grünen in St. Gallen angekündigt, was viele Menschen beunruhigte.
Bei einer Gegenveranstaltung zum «Antifaschistischen Karneval» in Lausanne traten die Rechtsextremen unauffällig auf. Nach dem Ereignis schrieb ein Westschweizer «Active Club», man habe sich die «Verräter und Feiglinge» notiert.
Die Propaganda dieser Gruppen ist oft offen rassistisch und faschistisch. Beiträge enthalten beispielsweise T-Shirts mit der Aufschrift «White Race». In einem Video zeigen anonymisierte Männer den Hitlergruss, begleitet von der Bildunterschrift: «Ein Nachmittag voller Outdoor-Sport und Aktivitäten mit jeder Menge Faschismus! Bleib aktiv, weisser Mann.»
Alexander Ritzmann vom Counter Extremism Project in Berlin sieht darin eine klare Verschärfung des Rechtsextremismus. Gegenüber SRF erklärt er: «In den letzten Monaten hat es generell eine Entwicklung hin zu Aufrufen zur Gewaltbereitschaft gegeben.» Die offenen Bezüge zu «Blood and Honour» und «Combat 18» in der Schweiz seien Warnsignale, die von den Sicherheitsbehörden ernst genommen werden müssten.
Journalistin Anna Bursian, die sich seit Jahren mit rechtsextremen Netzwerken befasst, warnt vor einer Radikalisierung junger Menschen. Sie betont, dass das Verhalten der «Active Clubs» in den Sozialen Medien teilweise unberechenbar sei und die Gefahr bestehe, dass Einzeltäter Straftaten begehen.