Der Schweizer Tierfilmer Andreas Moser feiert seinen 70. Geburtstag mit einer beeindruckenden Bilanz von drei Jahrzehnten, in denen er als Gastgeber der Sendung «Netz Natur» die verborgenen Welten der Tiere dem Publikum näherbrachte. Der Basler hat das Verhalten frisch geschlüpfter Schildkröten am Strand beobachtet, selten gesehene Vogelbalzrituale dokumentiert und mit Infrarotkameras die nächtliche Tierwelt erforscht.
Auch nach seiner Pensionierung bleibt Moser aktiv in der Wissenschaft: Der Biologe hält Vorträge, moderiert Veranstaltungen und berät im Bereich Zoologie. «Ich arbeite heute breiter als früher», betont er. Kritik übt er an einer modernen Forschungskultur, die seiner Meinung nach zu stark auf spezifische Fragen fokussiert ist. Moser sieht sich selbst als Vertreter einer selten gewordenen Generation von Wissenschaftlern, die mit einem Weitwinkelblick komplexe Zusammenhänge erkennen.
In den Bergen des nördlichen Tessins, wo er ein Feriendomizil besitzt, findet Moser Inspiration und konfrontiert sich zugleich mit den Auswirkungen menschlicher Eingriffe in die Natur. «Ohne großes Wissen zerstören wir die Natur oft auf kurzsichtige Weise», kritisiert er.
In seinem neusten Buch setzt sich Moser unter anderem mit der Beziehung zwischen Menschen und Wölfen auseinander, wobei er bemerkenswerte Erkenntnisse präsentiert: «Die Angst vor dem Wolf ist ein Produkt des Christentums.» Laut Moser können indigene Völker wie die amerikanischen Ureinwohner friedlich mit Wölfen zusammenleben, da diese Tiere menschenähnliche Sozialstrukturen aufweisen.
Seine kritische Sichtweise prägt seinen Umgang mit der Natur weiterhin: Moser vermeidet den Begriff «Tiere», um die Einzigartigkeit jeder Spezies zu betonen. «Wer sich für die Natur interessiert, muss seine Bedürfnisse zurückstellen», meint er. Dies bedeute, die Natur respektvoll und bescheiden in ihrer ganzen Vielfalt zu betrachten.
Seine Liebe zur Natur hat Moser schon als Kind im Basler Zoo entdeckt und vertiefte sie während seiner Zeit bei «Netz Natur». Er fühlt sich glücklich, diese sorglose Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt zu haben. Sein Ziel bleibt es, die Welt durch ein Weitwinkelobjektiv wahrzunehmen und allen Lebewesen mit Respekt zu begegnen – von der Stechmücke bis zum Buckelwal.