Autorin: Marjana Ensmenger
Die Verbreitung von Zecken nimmt laut Statistiken zu. Doch aus der Perspektive von Outdoor-Enthusiasten sieht die Situation anders aus; das Ziel ist es, den richtigen Umgang mit der potenziellen Gefahr zu finden.
So berichtet die Suva, dass sich die Anzahl der gemeldeten Zeckenstiche innerhalb weniger Jahre verdoppelt hat: Gab es zwischen 2005 und 2009 etwa 9200 Fälle pro Jahr, stieg diese Zahl bis 2024 auf circa 14.400 – ein Plus von rund 57 Prozent.
Zeckenhöhepunkte liegen zwischen Mai und Juli, wobei die Saison sich durch mildere Temperaturen verlängert, sodass die Tiere früher aktiv werden und länger bleiben.
Caspar van de Ven, Mediensprecher der Suva, betont: “Das Risiko sollte nicht dramatisiert werden, aber auch nicht unterschätzt.” Die meisten Zeckenstiche führen zu keinen Folgen. Trotz der Registrierung von rund 1368 Borreliose- und etwa 100 FSME-Fällen pro Jahr sind schwere Verläufe selten.
Praktische Ansätze bei Wanderaktivitäten
Gina Husmann, eine Wanderleiterin des Schweizer Bergführerverbandes, relativiert die Gefahr aus ihrer Praxiserfahrung. Während Bergführer oft in felsigen oder hochalpinen Regionen unterwegs sind, wo Zecken selten vorkommen, arbeitet sie in Wäldern und auf Weiden, den bevorzugten Lebensräumen der Tiere. Dennoch berichtet Husmann von nur einem einzigen Zeckenstich in ihrer gesamten Karriere. Sie empfiehlt einfache Schutzmaßnahmen wie das Einstecken der Hosenbeine in die Socken und den Verzicht auf Panik.
Sie betont auch die Bedeutung des richtigen Verhaltens in Unterkünften, um die Ausbreitung von Bettwanzen zu verhindern. Insektenschutzmittel auf Kleidung schützt effektiv vor Zecken und anderen Parasiten.
Stefan Kuster, ein Wanderleiter und Coach, berichtet ähnlich: Er sieht keine Zunahme bei seinen Touren, unabhängig von der Region. Je höher man wandert, desto geringer das Risiko. Er empfiehlt digitale Hilfsmittel wie die App “Zecke” für Risikobewusstsein.
Gründe und Reaktionen auf den Anstieg
Die Suva nennt als mögliche Ursachen für den Anstieg mildere Winter, längere Aktivitätsphasen der Zecken sowie mehr Zeit im Freien. Auch eine erhöhte Sensibilisierung spielt eine Rolle: Heute werden Stiche eher gemeldet.
Zecken breiten sich zunehmend auch in höheren Lagen aus, bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel – ein Befund, der die praktischen Erfahrungen zumindest teilweise bestätigt.
Zusammenfassung
Die statistische Gefahr steigt, aber jene, die regelmäßig draußen sind, empfinden sie als beherrschbar. Fachleute raten zu geschlossener Kleidung, gründlichem Absuchen nach Aufenthalten im Freien und raschem Entfernen von Zecken sowie zur frühzeitigen ärztlichen Konsultation bei Symptomen.
Für die Zentralschweiz bedeutet das: wachsam bleiben, aber entspannt.