Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni hat sich am Dienstagabend erstmals zu mehreren im Internet kursierenden Deepfake-Bildern geäussert. Diese, durch künstliche Intelligenz erstellten Bilder zeigen sie in sexualisierten Situationen. Ein von ihr veröffentlichtes Bild zeigt sie beispielsweise in Dessous auf einem Bett sitzend. Meloni nutzte die Gelegenheit, um auf das Problem der Deepfakes hinzuweisen und sich kritisch zu äussern: «Zurzeit kursieren mehrere gefälschte Fotos von mir, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden und von einem übermotivierten Gegner als echt verbreitet werden.»
Sie ergänzte ironisch: «Ich muss zugeben, dass mich derjenige, der die Bilder erstellt hat, in diesem Fall deutlich verschönert hat.» Doch sie betonte zugleich: «Das Ganze geht über meine Person hinaus. Deepfakes sind ein gefährliches Werkzeug, da sie täuschen und manipulieren und jeden treffen können. Ich kann mich verteidigen; viele andere jedoch nicht», schrieb sie.
Weiter warnte Meloni vor den Gefahren von Deepfakes: «Deshalb sollte immer eine Regel gelten: überprüfen, bevor man glaubt, und nachdenken, bevor man etwas teilt. Denn heute trifft es mich, morgen kann es jede andere Person treffen.»
Giorgia Meloni ist nicht die erste europäische Politikerin, die Ziel von KI-generierten Deepfakes wurde. Frauen in der Öffentlichkeit und Führungspositionen sind besonders betroffen. Anzügliche oder sexualisierte Fälschungen richten sich fast ausschliesslich gegen Frauen; Männer in vergleichbaren Positionen sind seltener Ziel solcher Aktionen.
Ein Bericht von «UN Women», veröffentlicht Mitte Mai, hebt hervor, dass Frauen im öffentlichen Leben zunehmend digitaler Gewalt ausgesetzt sind – verstärkt durch den raschen Fortschritt der künstlichen Intelligenz. Die Untersuchung zeigt, dass KI-gestützte Gewalt bestehende Formen von Belästigung weiter verschärft und Teilnehmerinnen einer Umfrage im Jahr 2025 aus 119 Ländern berichteten von Täter-Opfer-Umkehr sowie fehlenden Möglichkeiten, sich rechtlich zu wehren. Dies beeinträchtige laut der Umfrage die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben.
Kalliopi Mingerou, Leiterin der Abteilung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen bei «UN Women», sagte: «KI macht Missbrauch einfacher und schädlicher. Dies beschleunigt den Abbau hart erkämpfter Rechte – in einem Umfeld, das durch demokratischen Rückschritt und vernetzte Misogynie geprägt ist.» Staaten, Plattformen und Gesetzgeber hätten die Verantwortung, auf diese Entwicklung mit Dringlichkeit zu reagieren.
Weltweit suchen Regierungen nach gesetzlichen Regelungen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Italien war 2025 das erste EU-Land, das ein eigenes KI-Regulierungsgesetz verabschiedete. Es sieht Freiheitsstrafen von einem bis fünf Jahren vor, wenn die illegale Verbreitung KI-generierter oder manipulierter Inhalte Schaden verursacht. Höhere Strafen gelten bei der Nutzung für Delikte wie Betrug oder Identitätsdiebstahl.
Dies folgte auf den europäischen AI Act von 2024 – weltweit erster umfassender Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Die Umsetzung und Anpassung dieser Regeln verzögert sich teilweise, obwohl sie ab August 2026 in Kraft treten sollen.