Chinas jüngste wirtschaftliche Entwicklung zeugt erneut von einem starken Anstieg der Ausfuhren, was das Land an den oberen Rand seines selbstgesteckten Wachstumsziels von 4,5 bis 5 Prozent herangeführt hat. Laut staatlichen Statistiken verzeichnete die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal ein Plus von genau 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Trotz dieser beeindruckenden Zahlen offenbart eine detaillierte Betrachtung Schwächen in der Binnenwirtschaft. Wie auch schon im vergangenen Jahr waren es vor allem die Exporte, die das Wachstum antrieben. Elektronik, Maschinen, Autos und Schiffe wurden massenhaft weltweit verkauft, während die heimische Nachfrage stagnierte.
Die Detailhandelsumsätze stiegen zwischen Januar und März lediglich um 1,7 Prozent, deutlich langsamer als im Schlussquartal des Vorjahres. Aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage reduzieren Unternehmen die Gehälter und verringern ihre Belegschaften, was dazu führt, dass Verbraucher ihr Geld enger halten.
Durch den Fokus von Staats- und Parteichef Xi Jinping auf technologische Modernisierung und industriellen Ausbau verliert die chinesische Wirtschaft in anderen Sektoren an Dynamik. Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz oder humanoide Roboter stehen im Vordergrund, während das Wohlergehen der breiten Bevölkerung vernachlässigt wird.
Der Konflikt im Nahen Osten könnte die ohnehin angespannte Binnenwirtschaft weiter belasten, da steigende Energiepreise auch in China zu höheren Lebenshaltungskosten führen werden. Dies reduziert die Kaufkraft und wird das Konsumentenverhalten beeinflussen.
Im März stiegen die Produzentenpreise um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, vor allem aufgrund der gestiegenen Energiekosten, einschließlich eines Anstiegs von Treibstoffpreisen um 10 Prozent.
Um Wohlstand zu sichern, müsste die chinesische Regierung mehr tun als nur Versprechungen abgeben. Die soziale Absicherung ist besonders in ländlichen Gebieten unzureichend entwickelt, was zur Notwendigkeit des Sparens für Krankheits- und Altersvorsorge führt.
Xi Jinping konzentriert sich auf das Ziel, die USA als Technologieführer abzulösen. Dies lenkt Ressourcen in Tech-Firmen und Forschungsinstitute um, während andere Bereiche vernachlässigt werden. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert ein Defizit des chinesischen Staatshaushalts von 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die prekäre Finanzlage der öffentlichen Kassen zeigt sich daran, dass Beamte aufgefordert werden, jeden Yuan sorgfältig zu verwalten. Gleichzeitig suchen Behörden nach Vermögen chinesischer Staatsbürger im Ausland zur Besteuerung.
Um eine langfristig stabile Wirtschaft zu etablieren, müsste die Regierung den ruinösen Preiswettbewerb der Unternehmen beenden und unrentable staatliche Firmen schließen oder mit gesunden fusionieren. Lokale Politiker zögern jedoch aus Angst vor Massenarbeitslosigkeit.
Die Umstellung der chinesischen Wirtschaft auf einen nachhaltigen Pfad ist eine gewaltige Herausforderung.