Eine junge Frau erzählt in den chinesischen sozialen Medien von einem Anruf einer lokalen Parteifunktionärin, die sie fragte, ob sie schwanger sei. In China erhalten insbesondere junge und frisch verheiratete Frauen derzeit vermehrt Aufmerksamkeit von staatlicher Seite. Ziel ist es, die Geburtenrate zu erhöhen. Dies geschieht in einem Land, das jahrelang eine strikte Ein-Kind-Politik durchsetzte. Trotz zahlreicher Anstrengungen der Regierung bleibt dieser Plan bisher erfolglos. Die Geburtenraten sind auf ein Rekordtief gefallen und drohen mit einem schnellen Bevölkerungsrückgang. Yuan Mao, eine 30-jährige Software-Ingenieurin aus Shanghai, ist Single und kinderlos. Sie zog nach Shanghai, um dem liberalen Umfeld der Stadt zu entkommen, im Gegensatz zur konservativen Atmosphäre ihrer Heimatstadt. Schon früh wurde erwartet, dass sie heiraten und Kinder bekommen würde. Trotz guter Hausarbeit sagte man ihr, sie sei für die Ehe nicht attraktiv genug. Auch nach dem Studium war der Druck von Familie und Freunden groß, zu heiraten. Yuan Mao löste ihre Beziehung auf, da sowohl ihr Freund als auch seine Familie unbedingt einen Sohn wollten. Der Druck wurde zu viel. Ähnliche Erfahrungen machen viele junge Frauen in China, die zusätzlich mit enormen Bildungsdruck und finanziellen Belastungen für Nachhilfe und Schulplätze konfrontiert sind. Die Regierung reagiert mit Propaganda: Artikel glorifizieren das Kinderkriegen, obwohl einige Berichte – wie einer, der Schwangerschaft als krebsvorbeugend darstellte – zurückgezogen werden mussten. Die Kommunistische Partei fördert zudem Speed-Dating-Events und Single-Filmabende. Städte bieten Geburtsprämien und Kindergeld an. Die Provinzstadt Tianmen investiert in ein neues Frauen- und Kinderkrankenhaus, um Untersuchungen, Frühstücksangebote für Schwangere sowie Kräuteraufgusstherapien anzubieten. Ob diese Maßnahmen effektiv sind, bleibt ungewiss. Demografieexperten vermuten, dass einige Bürger ihre Kinder nur in der Heimatstadt anmelden, um Subventionen zu erhalten, was statistisch den Geburtenrückgang ausgleichen könnte. Landesweit übersteigen die Sterbefälle die Geburtenzahl deutlich. Yuan Mao lässt sich nicht vollständig gegen eine Familie aussprechen, fordert aber bessere Arbeitsbedingungen und Schutz für Frauen in ihrer beruflichen Karriere. Sie betont, dass wirtschaftliche Sicherheit und mehr gesellschaftliche Freiheiten jungen Frauen die Entscheidung erleichtern würden, Kinder zu bekommen.