Christian Jott Jenny, der charismatische Gemeindepräsident von St. Moritz, verzichtet auf eine weitere Kandidatur. In einem Gespräch mit SRF erläutert er, warum seine achtjährige politische Laufbahn endet und wie diese ihn als Künstler bereichert hat.
Der Schweizer Tenor und Produzent Christian Jott Jenny wurde 2007 bekannt durch die Gründung des Festival da Jazz in St. Moritz. Nach seiner unerwarteten Wahl zum Gemeindepräsidenten im Jahr 2019 leitete er bis heute die Geschicke der Gemeinde.
SRF fragt nach dem Rückzug von den kommenden Sommerwahlen: Warum dieser Schritt?
Christian Jott Jenny antwortet: Es geht um Timing. Ähnlich wie im Theater, weiß man, wann es Zeit ist zu gehen, bevor man mit negativem Echo abtritt. Er spürt Wiederholungen und Routine einkehren, was seine innere Uhr als Zeichen erkennt.
Kritiker meinen, sein politisches Handwerk habe sich erst nach acht Jahren verfestigt. Warum hört er jetzt auf?
Er räumt ein, dass die Kritik zutreffen könnte und sieht es eher positiv, frühzeitig zu gehen als zu spät.
Wie vereinigte er seine Rollen als Entertainer und Gemeindepräsident?
Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Jenny betont den direkten Kontakt zur Bevölkerung in der Kommunalpolitik und das Verständnis für alltägliche Belange.
Veränderte sich sein Blick auf die kommunale Führungsaufgabe?
Er gewann ein tieferes Verständnis für die Verwaltungsprozesse und entwickelte einen großen Respekt gegenüber den im öffentlichen Dienst Tätigen, was ihn sanfter werden ließ.
Ist seine politische Karriere beendet?
Es ist nicht ausgeschlossen, doch er sieht sich aktuell weder für ein Nationalrats- noch Regierungsamt geeignet. Er will nur noch tätig sein, wenn er einen echten Beitrag leisten kann und plant, sich stattdessen im Kultur- und Tourismussektor zu engagieren.
Hat seine politische Erfahrung ihn als Sänger verbessert?
Ja, die Erfahrungen auf der Gemeindekanzlei haben sein Bühnenrepertoire bereichert, indem er diese in seine künstlerischen Darbietungen integrierte. Das hat seine Karriere stärker unterstützt, als er jemals gedacht hätte.
Gespräch durchgeführt von David Karasek im Tagesgespräch am 1. April 2026 um 13 Uhr.