Die neue CSS-Chefin Mirjam Bamberger sieht sich einem bedeutenden Führungswechsel gegenüber. Diese Veränderungen im Unternehmen werden an fünf wesentlichen Punkten deutlich.
Im Tribschenquartier von Luzern, in unmittelbarer Nähe zum Vierwaldstättersee, hallen die Geräusche der Baustelle wider. Der Krankenversicherer CSS, einer der größten Arbeitgeber der Stadt, erweitert seinen Hauptsitz. Ab Sommer 2028 werden rund 1800 Mitarbeiter hier tätig sein, von denen 900 im Neubau arbeiten.
Der Wandel bei dem Unternehmen mit 1,73 Millionen Versicherten ist jedoch nicht nur auf den physischen Umbau beschränkt – auch innerhalb der Organisation vollzieht sich ein bedeutender Umbruch. Die Ära von Philomena Colatrella, die seit 1999 beim Krankenversicherer tätig war und ab 2016 als CEO fungierte, endete mit ihrem Rücktritt. Interessanterweise wechselt sie zu Axa Schweiz, wo Bamberger nun anheuert.
Bamberger, Jahrgang 1974 und doppelter Staatsbürgerin der Schweiz sowie Deutschlands, übernahm Anfang Februar die Position als neue CEO. Bei Axa hatte sie verschiedene Führungspositionen inne und arbeitete im Schnittbereich von Krankenversicherung und Vorsorge. Aufgrund dieser Erfahrung war Bamberger für manche Branchenexperten nicht die erste Wahl zur Nachfolge von Colatrella.
Neben Colatrella verlassen oder planen andere Führungskräfte ebenfalls die CSS. Rudolf Bruder, stellvertretender CEO und Leiter des Finanzbereichs bei der CSS, wird ab November als neuer CEO bei Swica tätig sein. Pierangelo Campopiano, bisher Leiter des Konzernbereichs Kunde und Markt, übernimmt die Leitung der Distribution bei Axa Schweiz. Auch Thomas Kühne, Informatikchef, und Marco Imboden, Kommunikationschef, haben das Unternehmen verlassen.
Bernard Rüeger, seit April 2023 amtierender Verwaltungsratspräsident, hat seine Amtszeit bis April 2027 befristet und ist noch unschlüssig über eine weitere Amtsperiode. Trotz der vielen Abgänge sieht Bamberger auch Chancen für die Neubildung eines starken Teams aus vorhandenen Talenten und neuen externen Mitarbeitern.
Die Geschäftszahlen zeigen ein positives Bild: Die CSS erzielte 2025 einen Unternehmensgewinn von 260,8 Millionen Franken. In der Grundversicherung konnte sie rund 90 600 neue Versicherte gewinnen, was auf eine moderate Prämiensteigerung um 1,9 Prozent zurückzuführen ist – einer der geringsten Wertanstiege in der Branche.
Trotz dieser Erfolge könnte das Wachstum die Solvenzquote des Unternehmens belastet haben. Die Quote stieg von einem besorgniserregenden Stand von 84 Prozent im Jahr 2024 auf 131 Prozent im folgenden Jahr an, ist aber seitdem wieder leicht zurückgegangen. Bamberger betont, dass das Unternehmen zwar wachsen möchte, dies jedoch nicht in gleichem Tempo wie in der Grundversicherung.
Die CSS plant zudem eine stärkere Kundenbindung durch den Aufbau einer Vorsorge-Sparte und gründete dazu die CSS-Lebensversicherung AG. Hier bietet sie Kapitalversicherungen gegen Tod und Invalidität an, mit weiteren fondsgebundenen Policen in Planung. Bis 2026 sollen vier bis fünf Produkte auf dem Markt sein, um alle Altersgruppen abzudecken.
Bamberger sieht Potenzial für innovative Vorsorgeprodukte, die Gesundheit und finanzielle Absicherung verknüpfen. Der Technologiebereich könnte ebenfalls Veränderungen erfahren, da Wettbewerber wie Helsana Softwarelösungen von Adcubum übernehmen. Die CSS setzt derzeit jedoch auf ihr eigenes System und prüft alle strategischen Optionen.
Insgesamt steht die CSS vor bedeutenden internen und externen Veränderungen, während sie in neue Geschäftsfelder vordringt.