Nationalteams haben die Kraft, tiefgreifende Emotionen hervorzurufen. Nach den schweizerischen Fussballerinnen strebt nun während der Heim-WM die Eishockey-Nationalelf nach Ruhm. Patrick Fischers Covid-Skandal zeigt, dass das Thema weit über Sport hinausgeht.
Im Idealfall umarmen sich Spieler, Trainer und Fans auf dem Feld sowie Zuschauer im Stadion und vor den TV-Geräten. Weltmeister! Die Schweiz hat gewonnen!
Noch ist der Moment der Euphorie entfernt. Drei Wochen vor dem entscheidenden Spieltag zeigt sich wenig von dem, was am 31. Mai 2026 in der Swiss-Life-Arena in Zürich Altstetten passieren muss: Die Schweizer Mannschaft als Sieger des Eishockey-WM-Finals.
Ob dies Realität wird, ist ungewiss. Aktuell wissen nur wenige, dass das Turnier am Freitag beginnt. Sollte die Schweiz jedoch ihren Anspruch erfüllen und Spiel für Spiel gewinnen, um am Ende im Finale zu stehen, wird ein nationales WM-Fieber entstehen.
Die Prognose basiert auf Zahlen: 1,12 Millionen sahen 2024 das verlorene WM-Finale gegen Tschechien, vor einem Jahr waren es über eine Million beim Final gegen die USA, ebenfalls mit einer Niederlage für die Schweiz.
Diese Quoten verraten nicht, dass vielen ein Finalsieg mehr bedeutet als der Alltagssport. Begriffe wie «Icing», «Boxplay» oder «Buebetrickli» sind vielen unbekannt. Doch das ist zweitrangig. Wie im Fussball zieht auch die Eishockey-WM Menschen an, verspricht doch Teilhabe an einem Ereignis, das mehr als ein Spiel darstellt.
Sportveranstaltungen von Nationalteams vermitteln den Schweizern Versprechen wie Zusammenhalt und Exzellenz. «Time to shine» lautet der Aufruf der Eishockey-Nationalmannschaft.
Im idealen Fall fördert dies Momente der Gemeinschaft, bei denen Menschen feiern, das Trikot tragen und Schweizer Fahnen hochhalten.
Das Bekenntnis zur Flagge in solchen Momenten ist kein politisches Statement. Es symbolisiert ein freies Wir-Gefühl ohne festen Kontext, ein Zeichen der Anteilnahme.
Ein Beispiel für einen solchen Idealfall war bei der Fussball-EM der Frauen im Sommer zu sehen, als die Schweiz eine fröhliche Menschenmenge vereinte und die sichtbarkeit von Frauen im Sport erhöhte. Ein historisches Beispiel fand 2006 in Deutschland statt, als sich das Land um Zinedine Zidane scharte.
Diese Momente sind selten und daher so begehrt. Oft folgt auf den Idealfall ein Unfall.
So erging es Patrick Fischer, der nach einem gefälschten Covid-Zertifikat für die Olympischen Spiele in China verurteilt wurde, was ihn ins Zentrum einer politischen Debatte über staatliche Impfvorschriften brachte. Sein Fall beleuchtet ungelöste Spannungen aus der Pandemie.
So zeigt sich, wie Sport als Barometer für gesellschaftliche Themen fungieren kann, indem er Debatten anstösst und politische Diskussionen beeinflusst.
Während die Fussballer mit Stephan Lichtsteiners Aussagen über «richtige Schweizer» eine wichtige Debatte initiierten, bleibt diese Frage in der Gesellschaft lebendig. Das Eishockey-Turnier bietet trotz seiner Provinzgrösse die Chance auf ein starkes Wir-Gefühl, wenn bis zum 31. Mai alles stimmt und die Schweiz Weltmeister wird.