Laut dem Journalisten Michael Flueckiger wird im Kanton Luzern der Datenschutz häufig erst später in Projekten berücksichtigt, was zusätzlichen Aufwand verursacht und die Notwendigkeit verstärkt, hier mehr Kontrolle zu üben. Jahresberichte von Datenschutzbeauftragten sind oft diplomatisch formuliert; um echte Probleme aufzudecken, muss man zwischen den Zeilen lesen oder direkt Fragen stellen.
Im Jahresbericht 2025 des Luzerner Datenschutzes wird ein Anstieg der Fälle auf 483 verzeichnet – ein Plus von 24 Prozent. Ein zentraler Passus betont: “Datenschutz sollte nicht als nachträgliche Zusatzaufgabe, sondern integraler Bestandteil von Projekten sein”. Doch in der Praxis wird Datenschutz oft erst spät berücksichtigt.
Ein Beispiel ist das neue Verwaltungsgebäude am Seetalplatz, für das 192 Millionen Franken investiert wurden. Die offene Architektur birgt datenschutzrechtliche Herausforderungen, wie die Notwendigkeit von Vertraulichkeit in einem Open Space zeigt. Datenschutzbeauftragte Natascha Ofner kritisiert: “Ein frühzeitiger Beizug beim neuen Gebäude wäre wünschenswert gewesen”.
Auch im digitalen Bereich verschärft sich das Problem, da IT-Projekte die Datenschutzanforderungen stark beeinflussen. Dies zeigt sich bei der Nutzung von Microsoft-Cloud-Diensten und im Gesundheitssektor, insbesondere beim Luzerner Kantonsspital (LUKS). Hier war der Datenschutz zunächst in ein KI-Projekt eingebunden, doch bei der geplanten Videoüberwachung wurden die datenschutzrechtlichen Abklärungen erst später durchgeführt.
Quellen: Jahresbericht der Luzerner Datenschutzbeauftragten, Telefon- und schriftlicher Austausch mit Natascha Ofner.