Kommentare wie «Petition Männerverbot in der Kita!» oder «Männer gehören nicht in solche Berufe» haben sich auf einem Beitrag von SRF News verbreitet, der über einen Fall von Kindesmissbrauch durch einen Betreuer an zwei Schweizer Kitas berichtet. Recherchen von SRF ergaben, dass dieser mindestens 15 Kinder sexuell missbraucht hat.
In den Schweizer Kitas arbeitet ein geringer Anteil an Männern. Aktuelle Zahlen sind schwer zu ermitteln; kibesuisse, der Branchenverband, gab für 2016 einen Männeranteil von rund acht Prozent an.
Lorenz Kromer ist als Fachperson Betreuung tätig und hat während seiner Ausbildung auch Erfahrungen in Kitas gesammelt. Er arbeitet nun in einem Hort, wo die Kinder älter sind. «Das Schönste an diesem Beruf ist, dass ich jeden Tag etwas Neues erlebe», erläutert Kromer seinen Arbeitsalltag. Trotz der gleichen Umgebung und Kinder sei jeder Tag einzigartig.
Kromer hat auch Skepsis erfahren müssen; manche Eltern wünschten sich, dass nur weibliche Personen bestimmte Aufgaben übernehmen. Man versuchte den Wünschen nachzukommen, wo möglich, erklärte aber, dass das nicht immer machbar sei.
Julia Nentwich von der Universität St. Gallen betont, dass Männer in Kitas oft unter Generalverdacht stehen. «Die Sorgen der Eltern sind verständlich und müssen ernst genommen werden», sagt sie, fügt jedoch hinzu: «Der Vorwurf ‹alle Männer sind Täter› ist falsch und schädlich für die Männer, die in diesem Bereich arbeiten.» Stattdessen sollten gute Schutzkonzepte umgesetzt werden.
Ein solches Konzept beinhaltet klare Regeln für den intimen Kontakt mit Kindern, etwa beim Wickeln oder Essen. Wichtig ist dabei eine transparente Umgebung. Kulturelle Aspekte wie Fehlerkultur und rechtliche Schulungen im Bereich des Kinderschutzes sind zentral.
Personal sollte kritische Situationen erkennen können und klare Anweisungen für Verdachtsfälle haben. Lorenz Kromer wurde während der Ausbildung darauf hingewiesen, nie allein mit einem Kind in geschlossenen Räumen zu sein, Türen offen zu lassen und andere Fachpersonen zu informieren.
Trotz gelegentlicher Vorbehalte erhält Kromer vorwiegend positive Rückmeldungen von Eltern und Kindern. Manche Kinder bevorzugen männliche Betreuer als Gesprächspartner und Vorbilder.
«Es ist positiv, wenn mehr Männer in diesem Bereich tätig sind», betont Julia Nentwich. Sowohl Mädchen als auch Jungen profitieren davon, beide Geschlechter im Alltag zu erleben und ein breiteres Spektrum an Rollenbildern kennenzulernen.