Steuerexperten von Deloitte äußern sich kritisch über das Ertragsniveau der neu eingeführten OECD-Mindeststeuer in der Schweiz, obwohl noch einige Ungereimtheiten bestehen. Die Einführung dieser Steuer als Teil eines internationalen Regimes unter Beteiligung von rund 50 Industrieländern sollte den globalen Steuerwettbewerb eindämmen und Doppelbesteuerungen verhindern. Unter Druck der OECD führte die Schweiz diese Regelung ab Anfang 2024 ein, um nicht auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden.
Nach diesen Richtlinien müssen Konzerne mit einem Umsatz von mindestens 750 Millionen Euro einen nationalen Gewinnsteuersatz von 15 Prozent zahlen. Die Schweiz stellt die nationale Mindestbesteuerung durch eine Ergänzungssteuer sicher, wobei der Bund und die Kantone daran beteiligt sind. Während einige Länder wie die USA bereits Sonderregelungen vereinbart haben und andere Staaten nachziehen könnten, erwartet man in der Schweiz keine großen Konzernverlagerungen.
Die Bundesrechnung geht von einem zusätzlichen Aufkommen von jährlich 1 bis 2,5 Milliarden Franken aus den Unternehmen und weiteren 0,5 bis 1 Milliarde durch die Hinzurechnung aus Tochtergesellschaften aus. Deloitte Schweiz hält jedoch dem entgegen: Eine Studie zeigt, dass 46 börsenkotierte Schweizer Konzerne im Jahr 2025 nur 564 Millionen Franken an Ergänzungssteuern zahlten, wovon der Bundesanteil von 25 Prozent relativ gering erscheint.
Die meisten Steuereinnahmen entstammen den Basler Pharmakonzernen Novartis und Roche. Ein erheblicher Anteil der Unternehmen zahlte keine Ergänzungssteuern, wobei diese im Durchschnitt lediglich 2,9 Prozent des gesamten Gewinnsteueraufwands ausmachten.
Obwohl sich die Einnahmen seit 2024 verdoppelt haben, könnte das Aufkommen künftig sinken. Schwachstellen der Studie umfassen unter anderem den fehlenden Einbezug von nicht an der Börse notierten Firmen und ausländischen Tochtergesellschaften.
Die neue Regelung führte zu erheblichem bürokratischem Mehraufwand und könnte die Steuerpolitik zugunsten eines Subventionswettbewerbs verschieben. Einige Kantone haben auf diese Entwicklung reagiert, indem sie den ordentlichen Steuersatz erhöhten.
Während Deloitte-Experte Thomas Hug die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz in Schlüsselindustrien kritisch sieht und eine Reform der Unternehmenssteuer vorschlägt, glaubt man nicht an ein Austrittsszenario aus dem OECD-Mindeststeuerregime. Der Druck durch hochverschuldete Handelspartner bleibt groß. Kreative Lösungen werden daher benötigt, um den Anforderungen gerecht zu werden.