In Zeiten geopolitischer Spannungen und neu aufflammender Grossmachtpolitik steht die Schweiz vor der Herausforderung, ihre Rolle auf internationaler Bühne zu definieren. SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel befürwortet eine zurückhaltende Neutralität: «Die Schweiz sollte sich nicht überall einmischen», meint er und betont die Bedeutung der Vermittlerrolle des Landes.
Im Gegensatz dazu fordert SP-Nationalrat Jon Pult mehr Bestimmtheit in der Aussenpolitik. Er sieht die Notwendigkeit klarer Ziele für die Schweizer Politik: «Es reicht nicht aus, dass der Bundesrat stets jede Entwicklung kommentiert», so Pult, «aber eine klare Positionierung ist notwendig».
FDP-Ständerätin Petra Gössi hält fest, dass Aussagen durch konkrete Handlungen untermauert werden müssen. Sie warnt davor, lediglich über Social Media die Haltung der Schweiz zu kommunizieren: «Es bringt wenig, wenn wir nur Positionen verkünden, ohne sie umzusetzen».
Die SVP will durch eine Initiative die Neutralität in der Verfassung verankern. Büchel argumentiert, dass dies Klarheit schaffen würde: «Flexible oder pragmatische Neutralität sind widersprüchlich». Pult hingegen sieht darin Einschränkungen für gemeinsame europäische Aktionen wie Sanktionen gegen Russland.
Für Gerhard Pfister von der Mitte-Partei könnte die Initiative die Schweiz verwundbarer machen, da sie zwischen Aggressor und Opfer nicht unterscheiden würde. Die «Guten Dienste» der Schweiz als Vermittlerin werden oft hervorgehoben. Obwohl sie beispielsweise US-Interessen im Iran vertrat, führte Pakistan bei den letzten Verhandlungen Regie.
Pfister kritisiert die Überschätzung der «Guten Dienste», indem er sagt: «Nur weil wir Räume in Genf zur Verfügung stellen, ist das kein Beweis für einen Beitrag zum Weltfrieden». Er warnt vor einer möglichen Wahrnehmung als zu US-verbunden. Gössi hält die Rolle der Schweiz dennoch für wichtig und betont die Bedeutung von Genfs internationaler Präsenz.
Sebastian Ramspeck, SRFs Korrespondent, bemerkt, dass die Schweiz in jüngerer Zeit keine spektakulären Vermittlungserfolge erzielen konnte. Er beobachtet, dass Staaten mit Eigeninteressen vermehrt als Mittler auftreten und das traditionelle Schweizer Modell herausfordern.