Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA bleiben hoch, auch wenn eine Waffenruhe besteht. Eine aktive Front ist jedoch der Cyberkrieg: Was mit „KI-Slopaganda“ begann, wird zur Realität. Nachdem die US-Streitkräfte einen iranischen Öltanker festgesetzt hatten, reagierte das Pentagon schnell mit Veröffentlichungen von Aufnahmen der Aktion. Kurz nach Trumps Erklärung zur Waffenruhe griff Teheran in einer filmreifen Inszenierung einen griechischen Frachter an.
Für Myriam Dunn Cavelty vom Center for Security Studies der ETH geht es um asymmetrische Kriegsführung, bei der die iranische Strategie darin besteht, die Informationsumgebung zu beeinflussen. Trotz internationaler Isolation und Sanktionen hat sich der Iran seit dem Stuxnet-Angriff von 2010 als bedeutender Akteur im Cyberraum etabliert.
Traditionell nutzte die Cybereinheit der iranischen Revolutionsgarden Spionage, Hacking und Repression. Heute zeigt sich ihr Wissen um Informationskriegsführung deutlich. Laut Cavelty analysieren iranische Propagandisten intensiv, was im Netz funktioniert. Mit KI-Technologien ist es nun möglich, mit geringen Mitteln große Effekte zu erzielen.
Der Iran versucht auch, Trumps Kommunikationsstrategie nachzuahmen, wie Maria Flannery von EBU/Spotlight aufzeigt: Irans Botschaften nutzen KI-generierte Propaganda in Trumps typischer Rhetorik. Cavelty sieht Parallelen zu anderen Autokratien, die im Inland rigoros vorgehen und nach außen Trolle einsetzen, um das Regime positiv darzustellen.
Russland gilt als Vorbild für solche Strategien, mit Inspiration aus Plattformen wie 4chan. Cavelty betont, dass der Iran geschickt agiert und damit Autokratien einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Donald Trumps Ansatz ähnelt dem von Autokraten, wird aber durch Medien und Opposition eingehegt.
Cavelty warnt jedoch davor, die Propaganda zu überschätzen: Solche Kampagnen lösen im Westen kaum Sympathie für das iranische Regime aus. Sie können jedoch antiamerikanische oder antiwestliche Reflexe verstärken. KI-generierte Inhalte verbreiten sich schnell in sozialen Medien, und auch traditionelle Medienberichterstattung kann deren Reichweite erhöhen.
Autokratische Regime zielen darauf ab, dass ihre Kampagnen auch in klassischen Medien thematisiert werden. Cavelty verweist auf die gezielte Überwachung der Medienlandschaft durch diese Akteure und fragt, ob traditionelle Medien zu ihren Erfüllungsgehilfen werden – nicht nur soziale Netzwerke.