Die zunehmende Brutalität im Umgang mit Schiedsrichtern hat Deniz Aytekin während seiner Karriere Zweifel an seinem Beruf gebracht. Im Interview mit dem Stern äußerte der 47-Jährige, der seine Laufbahn im Sommer beendet: «Kein Sport ist es wert, sich in Gefahr zu bringen.» Er habe sich oft gefragt, ob er das alles noch aushalten könne: «Immer wieder dieser Hass – will ich das wirklich über mich ergehen lassen? Kann meine Familie das verkraften? Doch die Liebe zum Fußball hat jedes Mal gesiegt.» Ein besonders eindrücklicher Vorfall ist ihm in Erinnerung geblieben: «Nach einem Spiel schrieb mir ein Mann per Mail, der Chefarzt einer großen deutschen Klinik war. Die Beleidigungen waren so extrem, dass ich mich fragte: Was läuft bei jemandem, der anderen hilft, falsch?», berichtete Aytekin. Er erkannte auch die Auswirkungen auf seine Familie an: «Das größte Opfer ist für mich, dass wegen meiner Karriere Menschen gelitten haben, die mir sehr wichtig sind. Die Beziehung zu meiner Tochter ist nicht so eng wie ich es mir wünsche», sagte der Schiedsrichter aus Bayern.