Für Denys, einen 14-jährigen Ukrainer in der Schweiz, stellt die Gymnasialaufnahmeprüfung eine große Hürde dar. Er hat erst vor vier Jahren das Land verlassen und kämpft nun mit Deutsch als Fremdsprache. Trotzdem sind seine Ambitionen groß: Mathematik studieren möchte er, getrieben von dem Wunsch, seinem akademischen Vorbild seiner Eltern zu folgen.
Aktuell besucht Denys die zweite Oberstufe und bereitet sich auf die Prüfung im Kanton Zürich vor. “Ich verbringe vier Stunden pro Woche mit Gymi-Vorbereitung und zwei weitere Stunden lerne ich zusätzlich zu Hause”, erzählt der Jugendliche.
Die Sprache ist seine größte Schwierigkeit: “Deutsch bereitet mir Probleme, es gibt viele komplexe Wörter in den Aufgaben”, erklärt er. Denys beherrscht trotzdem Schweizerdeutsch gut und hat dank seiner Mutter, die zuvor in der Schweiz gearbeitet hat, signifikante Fortschritte gemacht.
Stolz auf seine Entwicklung blickt er zurück: “Wenn ich meine alten Sprachnachrichten höre, sehe ich einen großen Unterschied. Ich bin stolz auf mich selbst”, sagt Denys.
Seine Fluchtgeschichte reicht bis zu den Anfangstagen des Krieges im Februar 2022 zurück. “In der Nacht des zweiten Tages haben Raketen nahe unser Haus in Kiew eingeschlagen”, erinnert sich Denys. Mit wenigen Habseligkeiten floh er zusammen mit seiner Schwester und Mutter.
Trotz regelmäßiger Kontakte zu Familie und Freunden, die in der Ukraine geblieben sind, macht ihn Sorge um sie: “Manchmal denke ich nachts über mögliche Raketenangriffe nach.”
Russland kontrolliert mittlerweile fast ein Fünftel des ukrainischen Territoriums und forderte viele Opfer. Einige haben sich an die Kriegssituation gewöhnt, wie Denys berichtet: “Anfangs suchten alle Schutz in Bunkern, heute ist das nicht mehr so häufig der Fall.”
Denys vermisst seine Heimat, doch Fussball bietet ihm Trost und Kraft: “Zweimal die Woche trainiere ich; an den Wochenenden haben wir Turniere. Ich spiele als Mittelverteidiger”, berichtet er.
Nach seiner Prüfung musste Denys feststellen, dass er knapp gescheitert ist: eine 4 statt der benötigten Durchschnittsnote von 4.5. Trotzdem blickt er optimistisch nach vorn: “Ich habe gelernt und bin bereit für die nächste Chance”, sagt er kämpferisch.
Radio SRF 1, SRF Kids im Radio, 11.04.2026, 19 Uhr