Der deutsche Coach Hansi Flick hat den FC Barcelona erfolgreich zurück in eine Erfolgsspur geführt, weshalb sich der spanische Fußball verstärkt nach Trainern aus der Bundesliga umsieht. Vor zwei Jahren erfüllte sich für Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona, ein lang gehegter Wunsch: Er schätzte die deutsche Trainerphilosophie, insbesondere deren offensive Spielweise und intensives Pressing, was perfekt mit dem klassischen Barça-Stil harmonierte. Nach Gesprächen mit Ralf Rangnick, dem Begründer dieser Schule, präsentierte Laporta im Sommer 2024 Hansi Flick als neuen Trainer. Beim Clásico am Sonntag gegen Real Madrid zeigt sich, dass Lapartas Entscheidung goldrichtig war. Mit einem Vorsprung von elf Punkten nach vierzehn Spieltagen steht Barça kurz vor der Titelverteidigung und dem Gewinn des fünften nationalen Pokals in Flicks Ära. Unter seiner Leitung hat Real Madrid in fünf ihrer sechs Begegnungen verloren, einschließlich der Pokal- und Supercup-Finals. Flick gilt als würdiger Erbe von Johan Cruyff und Pep Guardiola. Mit 312 Toren in zwei Saisons hat er Barça zu einer spektakulären Spielweise inspiriert. Bereits vor dem dramatischen 6:5 gegen Inter Mailand im Champions-League-Halbfinale hinterließ seine Mannschaft einen bleibenden Eindruck. Die deutsche Trainerphilosophie, die Flick prägt, beeinflusst den Fußball in ganz Europa. Sein FC Bayern setzte dieser Spielweise 2020 mit einem 8:2 Sieg gegen Barça ein Denkmal und gewann anschließend die Champions League. In Spanien wird nun ebenfalls vermehrt auf deutsche Trainer zurückgegriffen. Pellegrino Matarazzo, früher in Hoffenheim und Stuttgart tätig, führte Real Sociedad zu einem Pokalsieg und sicherte ihnen einen Platz im Mittelfeld der Liga. Jokin Aperribay betonte den Bedarf an frischen Ideen, die sowohl mit der Philosophie von Real Sociedad als auch mit neuen Konzepten übereinstimmen. Auch Athletic Club aus Bilbao setzt auf deutsche Trainerqualität und verpflichtete Edin Terzic, einen Spezialisten für Pressing und Intensität. Die Bundesliga stellt mit Flick, Matarazzo und Terzic drei prominente Beispiele dar, was als Trend gilt, da zuvor kaum deutsche Trainer in der Primera División tätig waren. Luis Enrique von PSG und Mikel Arteta von Arsenal stehen im Champions-League-Finale – ein Novum für zwei Landsleute in ausländischen Diensten. Spanien hat seine besten Trainer exportiert; Luis Enrique revolutionierte die Klubkultur bei PSG und zeigt sich als taktischer Meister. Zusätzlich zu Flick sind mit Unai Emery, Andoni Iraola und Pep Guardiola vier spanische Trainer in den Europapokalfinals vertreten. In England werden vier der sechs Top-Vereine von Spaniern trainiert, die aufgrund besserer Gehälter und größerer Budgets dort bleiben. Die Bundesliga wird nun als Quelle für qualifizierte Trainer genutzt. Die Ähnlichkeit zwischen spanischer und deutscher Fußballkultur macht diesen Kulturtransfer sinnvoll. Flicks einfühlsame Menschenführung, sein Disziplinanspruch und die Förderung von Talenten beeindrucken in Spanien. Die deutsche Trainerphilosophie soll der Primera División neues Leben einhauchen. Laut der Zeitung «Sport» könnte eine Fusion der Schlüsselkonzepte beider Fussballkulturen La Liga wieder in die Diskussion um die beste Liga der Welt bringen. Für Barcelona bleibt das Ziel, den Champions-League-Sieg zu erringen. Real Madrid hingegen sucht nach einem neuen Trainer und hatte mit dem früheren Leverkusentrainer Xabi Alonso nicht das gewünschte Glück.