Anja Blacha, eine in Zürich lebende Deutsche, strebt nach dem Erreichen der Gipfel aller 14 höchsten Berge der Welt ohne Flaschensauerstoff. Im Endspurt ihrer ambitionierten Expedition wird sie jedoch durch unvorhersehbare Umstände gebremst, über die sie keine Kontrolle hat.
In dieser Saison erfordert der Aufstieg auf den Mount Everest (8848 Meter) und den Lhotse (8516 Meter) besonders viel Geduld. Ein gefährlicher Eisturm nahe des Khumbu-Eisbruchs verzögerte die Vorbereitungen um fast drei Wochen, und das aktuelle Wetter ist ebenfalls nicht günstig für hochalpine Expeditionen.
Die Wettervorhersagen haben Schneefall vorhergesagt, was den Fortschritt des Rope-Fixing-Teams erschwert, das die Fixseile bis zu den Gipfeln von Everest und Lhotse anbringen soll. Die etwa 600 Bergsteiger im Basislager weltweit sind zunehmend nervös.
Im Alter von 35 Jahren befindet sich Anja Blacha im Everest-Basislager und ist auf dem besten Weg, als erste Deutsche alle Achttausender ohne Sauerstoff zu besteigen. Während Ralf Dujmovits alle Gipfel erreicht hat, gelang ihm der Everest-Gipfel nie ohne Flaschensauerstoff. Blacha hatte im letzten Jahr bereits den Annapurna (8091 Meter) und den Dhaulagiri (8167 Meter) bestiegen.
Es fehlen ihr noch die Shishapangma und der Lhotse, wobei sie letztes Herbst aufgrund chinesischer Permit-Absagen ihre Expedition absagen musste. Blacha hoffte vergeblich auf eine Genehmigung während des Vormonsuns. Sie flog Anfang April nach Nepal und begann direkt mit dem Marsch ins Everest-Basecamp.
Die Routen zu Lhotse und Everest sind bis zum vierten Lager identisch, wo sich die Aufstiegsrouten teilen. Während der letzten Wochen nutzte Blacha die Zeit zur Akklimatisation an die Höhe. Da die Icefall-Doctors pausierten, verbrachte sie viel Zeit im Basislager mit Lektüre und administrativen Tätigkeiten.
Blacha erwog kurzzeitig, andere Berggipfel für die Akklimatisation zu besteigen, entschied sich jedoch dagegen, um das Gewicht ihrer Ausrüstung zu minimieren. Sie bevorzugt längere Aufenthalte in großen Höhen gegenüber kurzen Gipfeltouren und vermeidet dadurch Infektionen durch Touristen.
Analytisch wie bei früheren Expeditionen beobachtete sie die gefährliche Passage im Khumbu-Gletscherbruch. Sie war eine der ersten, die in Lager 2 aufstieg und dort zwei Nächte verbrachte. Obwohl die Fixseile noch nicht angebracht sind, hofft sie nun auf den Beginn des Aufstiegs.
Blacha, die sich vor drei Jahren über ihre Ziele unsicher war, zieht Polarregionen eigentlich den Bergen vor. Dennoch ist ihr bewusst, dass das Erreichen aller 14 Achttausender historische Bedeutung haben könnte. Sie betont, dass sie nicht unter Druck gesetzt werden möchte und sich ihrer Fähigkeiten bewusst ist.
Zudem genießt sie die Freiheit ihres Sponsors, einem Unternehmen für den Transport von Flüssigkeiten und Gasen, das ihr erlaubt, ihre Projekte eigenständig zu gestalten. Diese Flexibilität bietet ihr viele interessante Möglichkeiten.