Das ambitionierte Zehn-Milliarden-Euro-Projekt zur Anschaffung der Fregatte F-126 war durch zahlreiche Fehler von Bundeswehr und Politik beinahe zum Scheitern verurteilt. Nun setzt die Marine auf vier Meko A-200-Fregatten, eine pragmatische Lösung eines deutschen Herstellers. Rheinmetall sieht sich als möglicher Retter des Projekts. Die Fregatte F-126 war ursprünglich als universell einsetzbares Schiff für die Deutsche Marine geplant – ein 166 Meter langes Modell, das für den Kampf unter Wasser, auf dem Meer und in der Luft konzipiert wurde. Der Plan sah vor, dass das Schiff für verschiedene Missionen wie Embargo-Kontrolle oder Evakuierungen modular angepasst werden kann. Unter dem Namen MKS 180 war es jahrelang als Mehrzweck-Kampfschiff geplant. Ein Vertrag mit dem niederländischen Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding wurde 2020 geschlossen, und die Kiellegung des ersten Schiffes erfolgte 2024. Ursprünglich sollte das erste von sechs Schiffen bis 2028 ausgeliefert werden. Doch der deutsche Anspruch nach einem umfassenden und zukunftssicheren Konzept führte zu Komplexität, verzögerten Zeitplänen und steigenden Kosten – von acht auf zehn Milliarden Euro. Die erste Fregatte ist nun erst für 2032 vorgesehen. Ähnliche Probleme traten bereits bei der F-125 auf, die 2017 wegen Mängeln zurückgewiesen wurde, sowie bei der Korvette K-130, deren letztes Modell mit sechs Jahren Verzögerung in Dienst gestellt wurde. Sarah Kirchberger vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel erklärt das Scheitern nicht als isolierten Fehler, sondern als Folge vieler Probleme, ähnlich wie bei Flugzeugabstürzen. Ein Ursprung dieser Schwierigkeiten liegt in der deutschen Industriepolitik der letzten Jahrzehnte. Traditionelle Marinewerften litten unter unregelmäßigen Aufträgen und Personalverlusten. Die Entscheidung Berlins, vier Fregatten Meko A-200 zu bestellen, wird als Paradigmenwechsel gesehen: Diese Schiffe sind bereits im Einsatz bei verschiedenen Seestreitkräften und werden von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel produziert. Sie benötigen keine aufwendige Planung. Kirchberger betont die Notwendigkeit, dass ein funktionierendes Schiff wichtiger ist als eine theoretisch überlegene Fregatte, deren Lieferung sich verzögert. Angesichts der politischen Lage im Ost- und Nordseeraum sind moderne Seekriegsfähigkeiten unerlässlich. Mit dem US-Fokus auf den Pazifik und der hybriden Kriegsführung Russlands gewinnen U-Boot-Jagd, Flugabwehr und andere maritime Aufgaben an Bedeutung. Missionen zur Sicherung des zivilen Schiffsverkehrs werden ebenfalls häufiger notwendig. Die Meko A-200 ist kleiner und schneller verfügbar als die F-126 und könnte für die Ostsee geeignet sein, während die F-126 besser für die Nordsee und längere Einsätze passt. Die Zweigleisigkeit kostet 240 Millionen Euro aus dem Sondervermögen. Eine Absage des Projekts hätte hohe militärische, finanzielle und politische Kosten verursacht. Berlin versucht sowohl, die F-126 zu retten als auch die Meko vorzuziehen. Kirchberger sieht darin eine Chance für eine bessere Verzahnung von Exportdesigns und nationalen Programmen, was der Marine langfristig zugutekommen könnte. Rheinmetall expandiert derzeit und hat NVL übernommen. Sie plant, im Sommer 2026 als Generalunternehmer für die F-126 zu fungieren.