Der jüngste Skandal um siebzig Todesfälle von Herzpatienten im Universitätsspital Zürich beleuchtet die drängende Frage, ob ein institutionalisierter Schutz für Whistleblower in der Schweiz notwendig ist. Die Antwort jedoch ist komplizierter als es auf den ersten Blick scheint. Manchmal ist es erforderlich, unser Ego zu relativieren und uns mit dem Durchschnittlichen anzufreunden, da die Forschung zeigt, dass wir nicht besser sind als eine Maus – ein kleiner Nager, der im Keller nach Notvorräten sucht. Solche Verhaltensmuster können durchaus einfach gesteuert werden, es sei denn, man begegnet einem komplexen Fall, wie dem aktuellen. Die Gier nach Ruhm und Reichtum lässt sich mit Mausmodellen veranschaulichen: Beim Drücken des richtigen Hebels erhalten sie eine Belohnung – ein Tropfen Milch. Dies setzt das Glückshormon Dopamin frei, während neuronale Mechanismen in der Hirnregion Amygdala das Verhalten lenken. Diese Dynamik zeigt sich nun auch bei Ärzten, zumindest bei jenen, die im Skandal um Herzpatiententodesfälle involviert sind. In Zürich steht ein umstrittenes Implantat im Mittelpunkt des Skandals und fungiert als Hebel für finanziellen Vorteil. Wie in früheren Medizinskandalen führten hier verheerende Anreizstrukturen zu Problemen. Wenn Chirurgen an Medizinprodukten, die sie selbst entwickelt haben und bei ihren Patienten einsetzen, mitverdienen, entgleitet oft jegliche Kontrolle. Die Frage stellt sich: Was ist medizinisch notwendig und was handelt es sich um Gier? Obwohl der Input von Praktikern Innovationen beschleunigt, können Interessenkonflikte tödlich enden. Es wächst die Erkenntnis in Klinikszene und Gesetzgebung, dass Offenlegung von Interessen und Anpassung schädlicher Strukturen notwendig sind. Ist damit alles gelöst? Nein, denn einige Menschen lassen sich nicht so einfach steuern. Neben gierigen Ärzten steht im Zürcher Skandal auch ein Whistleblower im Mittelpunkt, dessen Hinweise den Fall ins Rollen brachten. Er wurde zunächst diffamiert und diskriminiert, während die Öffentlichkeit zusah. Heute wird er von Medien gefeiert, doch wer würde freiwillig solche Opfer für ein Unrechtsbewusstsein auf sich nehmen? Die Forderung nach einem Whistleblower-Schutzgesetz dürfte bald wieder laut werden, trotz bisheriger gescheiterter Vorstöße. Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Eine Regulierung allein schützt nicht vor der Angst, als Verräter gebrandmarkt zu werden. Mäuseforscher wissen: Neben Belohnungen wie Milch sind auch soziale Interaktionen bedeutende Anreize.