Der wachsende Bedarf an neuen Datencentern treibt umfangreiche Investitionen in die Elektrifizierung voran. Aber sind spezialisierte Themenfonds eine sinnvolle Anlageoption?
Die Faszination für börsengehandelte Anlagefonds, auch bekannt als ETF, ist ungebrochen. Allein an der Schweizer Börse gibt es über 2200 solcher Produkte. Kaum vergeht eine Woche ohne neue Einführungen.
Ich halte mich regelmäßig auf dem Laufenden über neue Angebote, um keine Trends zu verpassen, doch bin ich oft enttäuscht von der Menge an unnötigen und klonhaften Produkten: Wer hat sich wirklich nach einem 76. Nasdaq-ETF gesehnt?
Innovationen sind selten, obwohl die Anbieter oft nur bestehende US-Produkte kopieren könnten, die bereits beliebt sind. Ein Beispiel sind Target-Date-ETFs, die die Aktienquote automatisch senken, je näher das Rentenalter oder ein Sparziel rückt. Praktisch wäre doch ein solches Produkt.
Stattdessen bringen Vermögensverwalter lieber den 77. Nasdaq-ETF heraus oder Themenfonds, über die ich mich oft beklage: Sie bereichern die Anbieter mehr als die Investoren. Diese Produkte werden in Zeiten hoher Popularität des jeweiligen Anlagethemas auf den Markt gebracht und weisen dann entsprechend hohe Bewertungen für die enthaltenen Aktien aus.
Ein enger Investment-Fokus funktioniert selten, da es einfach nicht genügend gelistete Unternehmen gibt, um beispielsweise ein diversifiziertes Portfolio rund um Quantencomputer zusammenzustellen. Die Anbieter umgehen dies, indem sie auch Firmen berücksichtigen, die nur am Rande damit zu tun haben.
Solche Produkte sind zudem sehr teuer: Ihre Verwaltungskosten liegen oft deutlich über denen von ETFs, die breite Aktienindizes abbilden.
Selten sehe ich einen neuen Themenfonds, der sich von diesen schlechten Gewohnheiten distanziert. Ende April jedoch hat Xtrackers ein Produkt auf den Markt gebracht, das sich lohnen könnte: einen diversifizierten ETF, der den Nasdaq Global Electrification Technologies & Smart Grid Index abbildet und eine Pauschalgebühr von 0,35 Prozent verlangt. Zwar ist dies nicht billig, aber weniger kostspielig als andere Themenfonds.
Unternehmen im Bereich der Elektrifizierung und intelligenter Stromnetze profitieren vom Boom bei Datencentern, zunehmender Elektromobilität und dem Einsatz von Wärmepumpen. Zudem reicht die veraltete Infrastruktur vieler Länder nicht aus, um mit diesen neuen Herausforderungen Schritt zu halten. Sie kommt auch nur bedingt mit erneuerbaren Energien zurecht, deren Schwankungen eigentlich Smart Grids mit Stromzählern und großen Speicherkapazitäten erfordern würden.
Natürlich: Die Bewertungen vieler Aktien in diesem ETF liegen am oberen Ende ihrer historischen Spanne. Das zukünftige Gewinnwachstum ist bereits in den Kursen reflektiert. Doch die hohen Bewertungen sind durch rekordhohe Auftragsbestände gerechtfertigt, und der Ausbau der Stromnetze wird viele Jahre dauern.
Sie haben es wahrscheinlich bemerkt: Diese Einschätzung ist keine enthusiastische Kaufempfehlung. Eher ein pragmatisches „Okay, dann eben so.“