Über einen Zeitraum von zehn Jahren war Valeria Messalina die römische Kaiserin, bevor sie selbst einer Verschwörung zum Opfer fiel. Die Historikerin Honor Cargill-Martin hat sich in ihrer Biografie der Kaiserin angenommen und ihren Ruf neu bewertet.
Messalina wird von antiken Schriftstellern als eine rücksichtslose und machthungrige Frau beschrieben, deren Sexualleben sogar Experten wie Plinius den Älteren erstaunte. Doch diese Darstellung ist nicht unumstritten. Die antiken Historiker neigten dazu, ihre Berichte mit pikanten Details zu schmücken, die weniger der Wahrheit als vielmehr moralischen Erzählungen dienten.
Der Ruf von Messalina und ihrem Ehemann Claudius war stark negativ belastet: Sie wurde als skandalumwitterte Frau und er als schwacher Kaiser beschrieben. Doch Cargill-Martin versucht in ihrem neuen Werk, hinter den Skandalgeschichten die wahre Gestalt der Kaiserin zu enthüllen. Dabei nimmt sie die politischen Gegebenheiten ihrer Zeit sowie gesellschaftliche Strukturen in Betracht.
Valeria Messalina stammte aus edlem Hause und war mit Augustus verwandt. Ihre Ehe mit Claudius im Jahr 38 n. Chr., arrangiert unter dem damaligen Herrscher Caligula, sollte die politische Stabilität sichern. Doch während ihre erste Zeit als Kaiserin geordnet verlief, soll sie später nach Macht und Vergnügen gestrebt haben.
Die Berichte von Tacitus und Cassius Dio schildern Messalina als rücksichtslos in ihren Handlungen: Sie soll sich unter falscher Identität prostituieren und mit zahlreichen Liebhabern umgehen. Auch wenn viele dieser Geschichten ins Reich der Legenden gehören, verdeutlichen sie die Wahrnehmung einer Frau, die den gesellschaftlichen Normen trotzte.
Nachdem Messalina ihren Geliebten Silius öffentlich heiratete und Claudius’ Gunst offen herausforderte, wurde sie verhaftet. Sie erwartete jedoch, dass Claudius ihre Vergebung gewähren würde. Doch Narcissus, ihr politischer Gegner, intervenierte entscheidend.
Als die Soldaten Messalina festnahmen, wollte sie noch versuchen, den Kaiser zu überzeugen. Ihr Schicksal war besiegelt: Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wurde sie von einem Soldaten getötet. Anschließend wurde ihre Erinnerung offiziell ausgelöscht.
Cargill-Martins Buch „Messalina – Intrigen, Macht und Orgien im antiken Rom“ versucht, die komplexe Persönlichkeit der Kaiserin zu rekonstruieren, wobei sie sowohl auf historische Fakten als auch auf Spekulationen zurückgreift. Sie zeigt auf, dass Messalinas Leben am kaiserlichen Hof voller Gefahren war und wie sie sich als selbstständige Frau behauptete.
Honor Cargill-Martin: Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im antiken Rom. Die wahre Geschichte der Skandalkaiserin. C.-H.-Beck-Verlag, München 2026. 459 S., Fr. 49.90.