Wie viele Pharmafirmen könnten betroffen sein? Von den etwa 100 kleineren und mittleren Mitgliedsfirmen der Branchenorganisation Vips, die ihre Produkte exportieren, sind rund 60 Prozent auf Auslandsmärkte angewiesen. Der genaue Anteil der Exporte in die USA ist unbekannt. Insgesamt beliefert die Schweizer Pharmabranche den US-Markt mit circa 35 Milliarden Schweizer Franken an Medikamenten, wovon Schätzungen zufolge zwei Drittel auf Novartis und Roche entfallen. Für den Rest der Branche, inklusive Generika, die von Zöllen befreit sind, sprechen wir von einigen Milliarden Franken. Welche Handlungsoptionen bestehen? Präsident Trump dringt einerseits auf Investitionen in den USA. Allerdings ist der finanzielle Spielraum für kleinere und mittlere Unternehmen begrenzt. Zudem verlangt er niedrigere Preise, gestützt durch das Meistbegünstigten-Prinzip («Most Favored Nation»), wonach die amerikanischen Preise nicht höher als in ausgewählten Ländern wie der Schweiz sein dürfen. Ernst Niemack, Chef von Vips, erklärt: “Wenn kein alternatives Produkt vorhanden ist, wird das Medikament dennoch verschrieben.” Zölle seien jedoch generell für den Handel schädlich. Firmen haben zwischen vier und sechs Monate Zeit, auf diese Forderungen zu reagieren. Die Befürchtung: Sollte Trump mit seinem MFN-Prinzip Erfolg haben, würden die Einnahmen in den USA sinken. Die Pharmalobby warnt sogar vor einer potenziellen Medikamentenverknappung in der Schweiz, sollten hierzulande angesetzte Referenzpreise zu tief sein. Tobias Müller von der Berner Fachhochschule hält das Szenario für übertrieben. Er räumt ein, dass Unternehmen Forschungs- und Entwicklungskosten decken müssen, bezweifelt aber, ob Umsatzeinbußen diese Bemühungen gefährden könnten. Hoffnung liegt bei der Politik: Kleinere und mittlere Unternehmen hoffen auf politische Lösungen. Der Bundesrat könnte ähnlich wie in Großbritannien ein Abkommen erarbeiten, das alle Firmen von Zöllen befreit. In Großbritannien wurde eine Null-Zins-Vereinbarung für die gesamte Pharmabranche getroffen, während der britische Gesundheitsdienst NHS mehr für US-Medikamente ausgibt. Der Schweizer Pharmaverband Interpharma fordert ähnliche Maßnahmen: “Es braucht umfassende Reformen zur Sicherung des Standorts Schweiz, zur Verbesserung des Patientenzugangs und um Investitionen in Forschung und Entwicklung attraktiv zu halten.” Zollfreiheit für die Pharmaindustrie sei das Ziel. Einfluss der Investitionen: Besonders prägend sind Investitionsabflüsse in die USA. Roche und Novartis haben sich verpflichtet, dort Milliarden zu investieren, was Auswirkungen auf andere Standorte hat, wie Hans Gersbach von der KOF feststellt. “Das große Wachstum ist vorüber,” bemerkt er. Die abnehmende Bedeutung erhöht den Druck auf politische Entscheidungsträger. Aktuell arbeitet eine Arbeitsgruppe an Rahmenbedingungen zur Stärkung der Branche.