Rund sechzig Personen versammeln sich in Kastanienbaum, um einem Vortrag über eine invasive Muschel zu lauschen. Diese bereits im Vierwaldstättersee etablierte Art ist nicht mehr wegzudenken. Die kleinen, toten Schalentiere sind auf dem Rednerpult ausgestellt und erinnern an Cornichons, wie Thomas Müller mit einem Scherz kommentiert. Doch hinter dieser harmlosen Erscheinung verbirgt sich eine ernsthafte ökologische Bedrohung.
Müller, der bei der Quagga-Fachstelle des Wasserforschungsinstituts Eawag tätig ist, spricht über die Ausbreitung der Muscheln in der Schweiz und deren weitreichende Konsequenzen für Trinkwasser, Tourismus und die Stabilität von Gewässern. Während draußen am 29. April alles ruhig erscheint, widmen sich im Seeheim direkt am Vierwaldstättersee intensive Forschungen dieser Entwicklung.
Das Gebiet umfasst Laborgebäude, ein Bootshaus mit den Forschungsbooten Thalassa und Perca sowie eine Gästehausanlage. Der Vortrag wird von Schülern der Pädagogischen Hochschule Luzern dokumentiert, die einen Film zu UN-Nachhaltigkeitszielen drehen.
Drinnen demonstriert Müller mit verpreservierten Quaggamuscheln ihre Auswirkungen auf das Ökosystem. Die Muscheln saugen viel Wasser durch ihre „Schnorchel“ und geben es mit weniger Nährstoffen wieder ab, was zu einer ökologischen Kettenreaktion führt. Ihre mikroskopisch kleinen Larven ermöglichen eine ganzjährige Vermehrung.
Die Konsequenzen reichen über die Unterwasserwelt hinaus und haben zu Melde- sowie Reinigungspflichten für Schiffe geführt. Ehemaliger Leiter der Abteilung Oberflächengewässer bei der Eawag, Alfred Wüest, berichtet von den Herausforderungen, die Wasserwerke durch die Quaggamuschel erleben: Verstopfte Rohre und teure Reinigungsarbeiten.
Ein Schifffahrtsunternehmer sieht in der Muschel ein Geschäftsrisiko. Er fragt nach einer möglichen Stabilisierung des Ökosystems, doch Müller betont die Schwierigkeit einer Prognose. Trotzdem gibt es Optimismus: Erfahrungen aus den USA zeigen, dass Koexistenz möglich ist.
Die Diskussion am Abend dreht sich um das Bewusstsein für das Problem und seine Auswirkungen auf den Tourismus und die lokale Bevölkerung. Die „Cornichons“ auf dem Tisch sind bald vergessen, doch die Präsenz der Muscheln bleibt spürbar.