Die Zahl der Infektionen und Todesfälle durch Ebola nimmt rasch zu, wobei bisher 131 Menschen verstorben sind. Gesundheitsexperten äußern sich besorgt. “Es wird zunehmend schwierig, den Ausbruch einzudämmen”, meint Greg Ramm, der Länderchef von Save the Children in Kongo-Kinshasa. Er kehrte aus dem Nordosten des Landes zurück, wo das Virus wütet.
Die Gesundheitszahlen steigen rasant an: Der kongolanische Gesundheitsminister Samuel Kamba Mulamba hat die bestätigten Fälle am Dienstag auf 513 angehoben. Die Zahl der Todesopfer beträgt nun 131, fast doppelt so viele wie beim ersten Bericht der Behörden.
Dieser Ausbruch ist bereits der größte seit jenem von 2018 bis 2020 im Osten Kongos, als über 3500 Menschen starben. Die WHO erklärte am Samstag eine internationale Gesundheitsnotlage.
Das Virus kursierte offenbar bereits Wochen in Ituri, ohne dass es lokale Gesundheitsarbeiter erkannten. Ramm berichtet von der Unsicherheit vor Ort: Er war ursprünglich nicht wegen Ebola im Einsatz, doch bald machten sich Gerüchte über eine tödliche Krankheit breit. Tests auf das Virus fielen zunächst negativ aus.
Die Proben waren negativ, da es sich bei der ausgebrochenen Variante um die seltene Bundibugyo-Variante handelte und nicht um den Zaire-Stamm, gegen den die Testkits entwickelt wurden. Gesundheitsarbeiter schickten Proben vermutlich wochenlang nicht in Kinshasa, wo bessere Labore zur Verfügung stehen.
Jean-Jacques Muyembe, Leiter des Nationalen Instituts für Biomedizinische Forschung und einer der Entdecker von Ebola, gab gegenüber einer kongolesischen Nachrichtenplattform zu: “Unser Überwachungssystem hat versagt.”
Durch die verpasste Früherkennung ist wertvolle Zeit verloren gegangen. Die tatsächlichen Zahlen könnten deutlich höher sein, so mehrere internationale Hilfsorganisationen im Gespräch. Alan Gonzalez von MSF erklärt: “Wir sind blind”, doch man verstärkt den Einsatz in der Region.
Die Unsicherheit steigt durch die Tatsache, dass Ituri ein Konfliktgebiet ist; bewaffnete Gruppen sind aktiv und fast eine Million Menschen wurden vertrieben. Gesundheitsarbeiter wohnen oft weit entfernt von den Epizentren des Ausbruchs.
“Es ist ein perfekter Sturm”, so Gonzalez. “Ein Konfliktgebiet mit prekärer medizinischer Versorgung, nun auch noch diese Epidemie.”
Impfstoffe gegen Ebola existieren seit Jahren, sind jedoch nur für die Zaire-Variante ausgelegt und möglicherweise wirkungslos gegen Bundibugyo. Experten berieten über neue Impfstrategien. Die Variante ist weniger tödlich als Zaire, aber immer noch gefährlich.
Es mangelt an Schutzmaterial, das nun eingeflogen wird. Die WHO hat bereits zwölf Tonnen Güter geschickt. Trotzdem sagt Bob Kitchen vom IRC: “Wir sind viel zu spät dran.” Bilder zeigen Gesundheitsarbeiter mit minimaler Ausrüstung.
Die Verteilung der Materialien ist unsicher; das Gebiet umfasst große Distanzen und Konfliktzonen. In Goma, eine Tagesreise entfernt von Ituri, ist die M23-Rebellengruppe aktiv, die ihre eigenen Behörden eingerichtet hat.
Die Eindämmung wird durch globale Kürzungen der humanitären Hilfe erschwert; viele Länder haben Mittel reduziert. In Ituri führt dies zu Personal- und Finanzierungsengpässen in Gesundheitszentren.
Uganda zeigt Optimismus: Grenzscreenings wurden eingeführt, doch ein 59-jähriger Kongolese verstarb bereits in Kampala. Die Zukunft wird zeigen, ob der Ausbruch über die Grenzen hinaus eindämmbar ist.