In Düdingen, im Kanton Freiburg, versammelt sich heute eine exklusive Gemeinschaft hinter verschlossenen Türen im Saal des Gasthofs «Ochsen». Nur Mitglieder des Rotary-Clubs Freiburg Sense sind hier willkommen.
Zu den Anwesenden zählt Sarah Pfander, Inhaberin eines Personalvermittlungsunternehmens aus dem Ort. Ihr Vater war Mitgründer dieses Clubs. “Mit den Werten der Rotarier bin ich aufgewachsen”, erklärt sie und hebt die Bedeutung von Gemeinschaft und sozialen Projekten hervor.
Auf internationaler Ebene zielt Rotary darauf ab, das Poliovirus auszurotten. Regionale Aktivitäten umfassen unter anderem Lager für benachteiligte Kinder. “Das Lächeln eines Kindes zu sehen, ist wunderschön”, sagt Pfander und betont die Wichtigkeit des positiven Einflusses ihrer Tätigkeit.
Die Mission der Service-Clubs in der Schweiz lautet: Eine bessere Gesellschaft fördern und das Miteinander stärken. Dieser Grundsatz ist sowohl auf den Webseiten als auch in den Statuten dieser Vereine verankert. Ursprünglich aus den USA stammend, sind sie nun lokal organisiert und variieren von Dorf zu Dorf hinsichtlich ihrer Funktionsweise und Mitgliedschaft.
Weltweit zählt Rotary über 1,2 Millionen Mitglieder, in der Schweiz sind es 13.000. Der Club Freiburg-Sense umfasst 57 Mitglieder, darunter sechs Frauen.
Die Rotarier engagieren sich für eine bessere Zukunft und leben internationale Freundschaften. In Düdingen trifft sich der Club jeden Mittwochmittag. Pfander schätzt diese Treffen: “Hier unterhalte ich mich mit interessanten Menschen, deren Namen ich nicht kenne.”
Das Menü besteht aus einem Apéro und einem umfangreichen Mittagessen sowie lockeren Gesprächen, während man an anderen Tagen Vorträge hört.
Mitglieder tauschen sich mit Führungskräften, Politikern oder Prominenten wie dem Schweizer Skitrainer Marco Odermatt aus. Soziale Netzwerke bilden sie mit einflussreichen Persönlichkeiten der Region Deutschfreiburg, darunter aktuelle und ehemalige Politiker sowie Geschäftsleiter.
Das Durchschnittsalter ist hoch, doch in den letzten Jahren sind vermehrt Frauen und jüngere Personen aufgenommen worden. Das Alter reicht von 33 bis 88 Jahren.
Die Aufnahme basiert auf Empfehlungen zweier bestehender Mitglieder und einem anschließenden Prüfverfahren. Pfander, die nächstes Jahr das Präsidium übernimmt, betont: “Ob jemand Einfluss hat oder nicht, ist irrelevant.” Dennoch bleibt unklar, welche Kriterien ausschlaggebend sind.
Nils Fürstenberg von der Universität St. Gallen merkt an, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen in solchen Netzwerken unterrepräsentiert sind. Historisch gesehen kommen Mitglieder meist aus privilegierten Verhältnissen und besitzen Führungspositionen.
Service-Clubs bieten ihren Mitgliedern daher Vorteile durch tiefere Beziehungen, die sich in einem geschlossenen Arbeitsmarkt positiv auf Karrieren auswirken können. “In der Schweiz ist der Anteil des grauen Arbeitsmarkts hoch”, erklärt Fürstenberg.
Sarah Pfander profitiert von ihrem Netzwerk als Personalvermittlerin und kann so Empfehlungen aussprechen, die anderen Rotariern vertrauenswürdig erscheinen. Auch junge Menschen wie Luca Iseli, ein 30-jähriger Steinmetz aus Bern, finden in der JCI (Junge Handelskammer) Unterstützung und Motivation für ihr Geschäft.
Luca Iseli übernahm die Firma seines Vaters vor neun Jahren und schätzt den Austausch mit Gleichaltrigen. “Ich habe durch dieses Netzwerk bereits Aufträge erhalten”, gibt er zu.
Zusammengefasst: Während die Service-Clubs in der Schweiz insgesamt 30.000 Mitglieder zählen, bringen ihre Treffen nicht nur gesellschaftlichen Fortschritt, sondern auch persönliche Vorteile für die Teilnehmer mit sich.
Radio SRF2 Kultur, Kulturplatz-Talk, 30.4.2026, 09:00 Uhr.