Der Münchner Autor David Vajda erzählt in seinem ersten Roman eine postjugoslawische Familiengeschichte. Dabei stellt er sich die Frage, ob Künstler mit Tragödien anders umgehen als andere Menschen.
Für alle, die sich von aktueller Politprosa oder experimentellen literarischen Formen abgewandt haben, ist Vajdas “Diamanten” eine willkommene Abwechslung. Der Roman entstand nach mehreren Jahren intensiver Arbeit und umfasst 170 Seiten voller Emotionen.
Im Zentrum des Romans stehen die drei Geschwister Dudi, Ada und Benny, deren jugoslawischer Vater sie liebevoll als “Diamanten” bezeichnet. Der Spitzname ihres Vaters, “Zampano”, spiegelt sein liebenswertes und etwas unbeholfenes Wesen wider. Das Fehlen der Mutter, die an einem Hirntumor starb, ist ein zentrales Thema des Buchs.
Die Bohème-Familie zeichnet sich durch künstlerische Berufe aus: Ada ist Installationskünstlerin, Benny beschäftigt sich mit Film und träumt von Berlin. Dudi arbeitet in der Filmproduktion und steht in Verbindung zu einem Skandalregisseur. Der Vater, einst Regieassistent in Belgrad, lebt nun verarmt wieder dort.
Der Roman verzichtet auf eine klassische Handlungsführung zugunsten einer collagehaften Erzählweise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Er erinnert an den Tod der Mutter und die darauffolgenden familiären Zusammenkünfte, bei denen sich die Geschwister trotz ihrer Schuldgefühle versammeln.
Dudi, der Ich-Erzähler, ist eine Figur von besonderer Tiefe. Er trägt seine emotionale Abgestumpftheit wie einen Schutzschild und bewahrt Distanz zu seiner Umgebung, obwohl er sich zunehmend geborgen fühlt.
Vajdas Nähe zum Film spiegelt sich in seinem Stil wider, der an eine Kamerafahrt statt einer Therapiesitzung erinnert. Der Roman lebt von präzisen Beobachtungen und realistischen Dialogen, die an J.D. Salingers Werke erinnern.
Die Qualität des Romans deutet darauf hin, dass Vajda ein vielversprechendes Talent ist und in Zukunft weitere bedeutende Werke schaffen wird.
David Vajda: Diamanten. Roman. Hanser-Verlag, Berlin 2026. 176 S., Fr. 34.90.