Einst eine dominierende Kraft im Seehandel und der Textilindustrie Bombays, steht die parsische Minderheit vor einer schwindenden Existenz. Jehangir Patel, ehemaliger Chefredakteur von ‚Parsiana‘, konstatiert nüchtern: „Die Gemeinschaft, wie wir sie kennen, ist in Indien am Ende.“ Seit den 1940er Jahren hat sich die Zahl der Parsen halbiert und lag bei der Volkszählung 2011 noch bei 57.000. Trotz ihres einstigen Wohlstands und Einflusses wird die Bevölkerung immer älter, viele heiraten nicht oder haben nur ein Kind.
Die parsische Gemeinschaft stammt von iranischen Zoroastriern ab, die im 8. Jahrhundert vor der Islamisierung nach Indien flohen und sich in Gujarat niederließen. Während der Kolonialzeit erlangten sie als vertrauenswürdige Makler und Händler Bedeutung. Parsische Unternehmer wie Jamsetjee Jejeebhoy dominierten den Handel mit China, und Familien wie die Petits, Wadias und Tatas investierten in die aufkommende Textilindustrie.
Bis zum frühen 20. Jahrhundert waren die Parsen für ihre Bildung und Weltoffenheit bekannt, stellten eine überproportionale Zahl an Absolventen in Ingenieurwissenschaften, Medizin und Naturwissenschaften. Ihre Errungenschaften prägen noch immer Mumbai durch von ihnen gestiftete Schulen, Spitäler und Wohnsiedlungen.
Die Parsi Lying-in Hospital, ehemals Geburtsklinik und nunmehriger Sitz der Redaktion ‚Parsiana‘, steht symbolisch für den demografischen Rückgang. Das Krankenhaus wurde aufgrund mangelnder Geburten geschlossen. Der Trend setzt sich in vielen parsischen Einrichtungen fort.
Shernaz Cama, Historikerin und Initiatorin des Jiyo-Parsi-Programms, sieht wenig Hoffnung für einen Umkehrpunkt. Die durchschnittliche Geburtenrate liegt weit unter dem Erhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau. Viele Parsen heiraten spät oder gar nicht; Frauen streben oft beruflich nach Unabhängigkeit. Traditionelle Regeln erlauben nur Männern, ihre Religion an die Kinder weiterzugeben.
Liberale parsische Gruppen fordern eine Öffnung der Gemeinschaft, um deren Fortbestand zu sichern. Trotz des Widerstands orthodoxer Mitglieder gibt es in Pune einen Gebetsraum für ausgetretene Parsinnen und ihre Kinder.
Trotz des Niedergangs glaubt Pearl Tirandaz an die Zukunft der Parsen. Sie ist Mitgründerin von Zyng, einer Organisation, die sich für die Sichtbarkeit junger Parsen einsetzt. Im Dezember 2027 wird in Mumbai der erste Jugendkongress der Parsen erwartet. Trotz Herausforderungen behauptet Tirandaz: „Noch sterben wir nicht aus.“