Jonas Fricker, ein bekannter Politiker der Aargauer Grünen, hat seine politische Laufbahn beendet. Nachdem er 2017 das Mandat im Nationalrat niedergelegt hatte, kehrte er 2020 in die kantonale Politik zurück. Jetzt zieht sich Fricker vollständig aus dem politischen Leben zurück.
Fricker wurde als Hoffnungsträger der Grünen gesehen, seitdem er 2015 in den Nationalrat gewählt worden war. Seine Bekanntheit erreichte einen Höhepunkt im Jahr 2017 während einer Debatte zur Fair-Food-Initiative. Während dieser Diskussion verglich Fricker die Bilder von Schweinetransporten mit den Massendeportationen nach Auschwitz, was zu sofortigen Kontroversen führte. Kurz darauf entschuldigte sich Fricker und trat zwei Monate später zurück. Im Jahr 2020 fand er wieder Eingang in den Aargauer Grossrat.
SRF News fragt Jonas Fricker, ob seine Identität ohne die Politik überlebensfähig sei. Er antwortet: “Selbst meine Frau kennt mich nicht ohne Politik. Als ich sie kennengelernt habe, war ich bereits Einwohnerrat in Baden. Es beginnt nun ein neues Kapitel meines Lebens.”
In seinem Rücktrittsschreiben aus dem Grossen Rat begründet Fricker seinen Schritt mit den widersprüchlichen Ansprüchen an Familie, Beruf und Gesundheit. “Unser Familiensystem ist stark belastet,” erläutert er. “Wir haben drei Kinder, und meine Frau arbeitet als Vollzeit-Professorin in Fribourg. Die Balance zwischen allen Aspekten meines Lebens wurde zur Herausforderung.”
Fricker reflektiert über die politischen Veränderungen seit 2025, als eine absolute Mehrheit von FDP, SVP und EDU im Aargau entstand. “Für mich hat sich die Politik verändert,” sagt er. “Ich bin ein Konsens-Politiker, doch in dieser Legislatur sind wir nicht mehr an den Lösungen beteiligt. FDP und SVP regieren nun mit einer klaren Mehrheit.”
Fricker sieht sich nicht als Oppositionspolitiker: “Es ist wichtig, dass jemand die Rolle der wichtigen Oppositionsstimme übernimmt, aber das bin ich nicht.” Er fügt hinzu, dass er zuletzt in einer Kommission saß, die Themen behandelte, die ihm am Herzen liegen. Die Unterstützung der Atomkraft war eine seiner schwersten Entscheidungen.
Obwohl er seine Zukunft als Exekutivbeamter im Stadtrat von Baden oder als Aargauer Regierungsrat nicht ausschließt, fühlt sich Fricker zumindest politisch im legislativen Bereich am Ende seines Weges. “Das Leben hat gelehrt, nie zu sagen: Nie,” schließt er mit einem Augenzwinkern. Sein Fokus liegt nun auf dem Abschied.
Gesprächsprotokoll von Stefan Ulrich
Regionaljournal Aargau Solothurn, 27.3.2026, 17:30 Uhr.