In einer überraschenden Kehrtwende hat sich die Aargauer Regierung dafür ausgesprochen, den Bau neuer Kernkraftwerke zuzulassen. Das Parlament ebnete den Weg für diese Entscheidung nur zwei Wochen nachdem der Ständerat grünes Licht für neue Atomkraftwerke gab. Der Kanton Aargau ist bereits Standort von drei aktiven Kernkraftwerken: Beznau 1 und 2 sowie das AKW Leibstadt.
Im Zuge intensiver Diskussionen über die aktualisierte Energiestrategie forderte das Parlament, dass der Aargau mehr Strom produziert als er benötigt. Es soll zukünftig für ganz Schweiz mit einer CO₂-armen Produktion sorgen. Die bürgerliche Mehrheit im Grossen Rat setzte sich dabei für eine technologieoffene Energieproduktion ein, was auch den Bau neuer Atomkraftwerke einschließt.
Ursprünglich strebte die Regierung an, bis 2036 die erneuerbare Stromproduktion von 3.7 auf mindestens 6 Terawattstunden zu steigern. Aktuell liegt die Produktion bei etwa 15 Terawattstunden, hauptsächlich aus Atomenergie. Unter Parlamentsdruck hat sich das Ziel nun verschoben: Bis 2035 soll doppelt so viel Strom aus CO₂-armen Quellen produziert werden – ein Hinweis auf den möglichen Bau eines neuen Kernkraftwerks.
Die Debatte im Parlament war lebhaft. Pascal Furrer (SVP) betonte, dass der Aargau bereit sei für neue Kernenergie, auch wenn das Volk darüber entscheiden müsse. Kritiker warnen vor einer Realitätsverweigerung bei einer zu schnellen Umstellung auf Atomkraft und sehen Übergangslösungen wie Gas als Möglichkeit.
Im Aargauer Parlament sind SVP/EDU und FDP die stärksten Fraktionen, was bedeutet, dass sie oft überstimmen können. Mit 89 zu 44 Stimmen wurde das Ziel der CO₂-armen Stromproduktion beschlossen.
Die Energiestrategie im Aargau wird alle zehn Jahre überarbeitet, die aktuelle stammt aus dem Jahr 2015. Sie umfasst Ziele wie Versorgungssicherheit, Ausbau erneuerbarer Energien und Reduktion von Treibhausgasen. Aktuell ist der Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz verboten, doch könnte dies sich ändern. Axpo schätzt die Kosten für ein neues KKW auf 7 bis 10 Milliarden Franken, Finanzierungsquellen sind unklar.
Laut einem Bericht der Akademie der Wissenschaften wäre eine Realisierung ohne öffentliche Mittel unwahrscheinlich. Bis zum Stand eines neuen Kernkraftwerks könnten jedoch noch Jahre vergehen.