Bis zu zehn Prozent aller Frauen sind von den schmerzhaften Symptomen der Endometriose betroffen. Nun gibt es Berichte, dass auch Männer diese Krankheit erleiden können, allerdings in einer anderen Form als bei Frauen. Die chronische Erkrankung ist gekennzeichnet durch das Wachstum von Gewebe an ungewöhnlichen Orten und verursacht starke Schmerzen.
In der Schweiz schätzt man die Zahl der betroffenen Frauen auf zwischen 190.000 und 280.000. Die Krankheit führt zu extremen Regelschmerzen, intensiven Krämpfen während des Geschlechtsverkehrs oder einem dauerhaften Blähgefühl. Forschung in diesem Bereich ist jedoch noch begrenzt, viele Behandlungsansätze befinden sich am Anfang.
Ein Instagram-Post der Schweizer Influencerin Kiki (@isthatkiki1) löste Diskussionen aus: «Wir Frauen haben endlich eine realistische Chance auf Heilung!», verkündete sie. Der Grund liegt in der Entdeckung von Endometriose bei Männern – und zwar nicht bei Transmännern, sondern bei cis Männer ohne Gebärmutter.
Die Kommentare reichen von Ironie bis zu Kritik am Opfer-Narrativ. Auf Anfrage von Nau.ch erklärte Kiki, dass ihre Aussage ironisch gemeint war und auf die mangelnde Beachtung der Frauengesundheit hinweisen sollte. Sie glaubt nicht unbedingt, dass es helfen würde, Endometriose im Kontext mit Männern zu diskutieren. Jedoch betont sie, wie wichtig Aufmerksamkeit für medizinische Themen ist.
Patrick Imesch, Leiter der Endometriosepraxis Gynäkologie Bethanien, betont, dass männliche Fälle weltweit rar sind und es sich nicht um die klassische Form der Krankheit bei Frauen handelt. «Die Entstehung ist eine andere», erklärt er. Es gehe eher um Metaplasie – also Zellumwandlungen – aufgrund embryonaler Reste, beeinflusst durch Östrogen.
Trotz gewisser Ähnlichkeiten stellt Imesch klar: «Es handelt sich nicht um dieselbe Krankheit.» Er relativiert die Hoffnung, dass männliche Fälle automatisch zu Fortschritten führen würden. Endometriose sei unterfinanziert, aber dies ist ein komplexes Thema und nicht nur eine Frage des Geschlechts.
Tina Bernardi aus Thalwil ZH weist darauf hin, dass die wenigen männlichen Fälle die Forschung bislang nicht maßgeblich vorangetrieben hätten. Dennoch gibt es in jüngerer Zeit mehr Engagement für die Krankheit durch politischen und medialen Druck sowie Fördergelder.
Für Kiki ist es wichtig, dass sich der Umgang mit Betroffenen verändert: «Endometriose wird immer noch häufig unterschätzt.» Sie berichtet von langen Leidenswegen bis zur Diagnose und ungenügender Aufklärung über Behandlungsmöglichkeiten.
Kiki selbst erhielt die Pille mit 13 Jahren, fand aber erst viele Jahre später bei einer umfassenden Behandlung im Universitätsspital Zürich Unterstützung. Sie betont den Wert eines ganzheitlichen Ansatzes zur Bewältigung der Krankheit.