Eine neue ETH-Studie hat aufgedeckt, dass der Schlüssel zum Gewinn des ESC Englisch, Popmusik und Tanzbarkeit sind. Obwohl diese Kriterien keinen sicheren Sieg garantieren, haben die Länder im Laufe der 70-jährigen Geschichte des Wettbewerbs gelernt, welche Merkmale ihre Erfolgschancen erhöhen können. Dennoch halten bestimmte Nationen an traditionellen Ansätzen fest: Frankreich, Italien, Portugal und Spanien setzen meist auf ihre Landessprachen. Für diese Länder könnte die Präsentation ihrer nationalen Kultur wichtiger sein als der Sieg selbst.
Der Wettbewerb entwickelt sich ständig weiter, um interessant zu bleiben, so Studienleiter Dirk Helbing von der ETH Zürich. Seine Forschungsarbeit trägt den Titel «Breaking the code: Multi-level learning in the Eurovision Song Contest» und untersucht den ESC als ein System des Lernens auf mehreren Ebenen – sowohl bei den Organisatoren (wie Regeln und Abstimmungssysteme) als auch bei den teilnehmenden Ländern (Songs, Sprache, Stil).
Da die Daten über 70 Jahre hinweg öffentlich zugänglich sind, eignet sich der ESC hervorragend für solche Untersuchungen. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin «Royal Society Open Science», mit Co-Autoren Luis A. Nunes Amaral und Arthur Capozzi.
Die Forschung kombinierte Songdaten, Texte, KI-Modelle sowie Abstimmungsergebnisse aus vielen Jahrzehnten. Dabei wurden etwa 1800 Lieder von 51 Ländern zwischen 1956 und 2024 analysiert. Über 35 Merkmale pro Song – wie Tanzbarkeit, Akustik, Emotionalität, Sprache, Genre und Themen – wurden in die Auswertung einbezogen.
Die allgemeine Anpassung an diese Erfolgsmerkmale führt zu einem «Rote-Königin-Effekt». Da fast alle Länder auf Englisch, Popmusik und Tanzbarkeit setzen, sind diese Eigenschaften nun keine Wettbewerbsvorteile mehr, sondern lediglich Grundbedingungen. Die Einhaltung des «Codes» ist notwendig, um nicht zu scheitern, jedoch garantiert sie keinen Sieg mehr, wie die Studie feststellt.