Der im September von der Schweiz verhängte Zahlungsstopp für das Patriot-Flugabwehrsystem ist nicht greifbar. Die USA haben daraufhin die Finanzierung aus dem Budget des Kampfjets F-35 in den USA umgeleitet, wie Rüstungschef Urs Loher gegenüber SRF bestätigte. Ursprünglich wurde eine dreistellige Millionensumme genannt, deren Nennung auf Druck der US-Behörden jedoch nicht mehr möglich ist; Loher sprach nur von “deutlich über 100 Millionen Franken”.
Dank des Foreign Military Sales Program (FMS) können die USA Rüstungsgeschäfte mit dem Ausland effektiv steuern. Alle Schweizer Zahlungen für Rüstungsprojekte landen in einem Fonds, aus dem bei Bedarf umgeleitet werden kann. Dadurch fliessen nun Kampfjet-Gelder zu Patriot.
“Es ist sehr unbefriedigend”, kommentiert Loher die Geldumleitung, welche finanzielle Lücken beim F-35-Projekt schafft und vorzeitige Zahlungen notwendig macht, um diese auszugleichen. Diese zusätzlichen Ausgaben verschärfen bestehende Finanzprobleme im Verteidigungsdepartement (VBS), sodass die Schweiz momentan Rüstungsbeschaffungen verzögern muss.
Die Kaufverträge für Patriot wurden vier Jahre zuvor abgeschlossen, mit einer geplanten Auslieferung in diesem Jahr. Doch Verschiebungen zugunsten der Ukraine und nach dem Iran-Krieg haben die Lieferung um mindestens fünf Jahre hinausgezögert.
Im Februar 2026 teilten US-Behörden dem VBS mit, dass Patriot-Mehrkosten bis zu 50 Prozent betragen könnten, was den Kaufpreis auf bis zu drei Milliarden Franken erhöhen würde. Trotz des Zahlungsstopps wird weiterhin Geld umgeleitet; Loher begründet dies als politisches Signal.
Im Parlament sorgt die Entwicklung für Kritik. SVP-Ständerat Werner Salzmann und sein Ratskollege Josef Dittli bemängeln, dass das VBS die Umleitungsmöglichkeit unterschätzt hat. SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf sieht ihre Forderung nach einem Abbruch der Patriot-Beschaffung bestärkt, während Salzmann sein Vertrauen in US-Verträge infrage stellt.
Das VBS versucht weiterhin, die USA zu späteren Zahlungen für Patriot zu bewegen. Loher räumt ein: “Die Machtverhältnisse sind ziemlich klar”.
SRF-Bundeshausredaktor Dominik Meier analysiert: Die Schweiz hat bei Rüstungsdeals in den USA bereits früher Probleme erlebt, etwa beim F-35. Das Kleingedruckte ermöglicht es den USA, Zahlungen und Liefertermine nach eigenem Ermessen umzusetzen.
Eine Kündigung der Patriot-Verträge wäre riskant und könnte die Beziehungen zu Washington belasten sowie den F-35-Erwerb beeinträchtigen. Der Bundesrat plant, 90 Prozent seiner Rüstungsgüter künftig im Inland oder in Europa zu beschaffen, was jedoch aufgrund der Kapazitätsengpässe problematisch ist. Die Schweiz bleibt somit abhängig von den USA für große Systeme.