Beim Aufeinandertreffen der beiden Schwergewichte des Schweizer Klubfussballs, FC Basel und Young Boys (YB), herrscht eine Stimmung gegenseitigen Beileids. Im Gegensatz zu Thun müssen beide Mannschaften eingestehen: „Wir haben kein Team.“ Stephan Lichtsteiner, Trainer des FC Basel, formulierte am Vorabend Ostern im St.-Jakob-Park dennoch einen ehrgeizigen Plan: den Klub auf die „ganz grosse Bühne“ zurückzuführen – gemeint ist natürlich die Champions League. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke, so groß wie ein Tal. Dies verdeutlicht sich daran, dass das Duell Basel gegen YB kein Topspiel im Schweizer Fussball mehr ist, sondern eher als Vergleich der Gekränkten erscheint. Beide Klubs streben nun nach einem minimalen Ziel: durch die Hintertür in den europäischen Wettbewerb – die Conference League und ihre Qualifikation – zu gelangen, weit entfernt vom „ganz gross“. Die Parallelen zwischen Basel und Bern sind offensichtlich. Beide Klubs haben überproportional hohe Ansprüche gefördert, wie ehemalige Trainer in Sponsoren-Loungediskussionen beschrieben, die nach Siegen statt einfacher Erfolge spektakuläre Siege forderten. Diese Ansätze wurzelten in den Jahren der Dominanz: Basel von 2010 bis 2017 und YB abgesehen von einer Unterbrechung zwischen 2018 und 2024, gekrönt durch Auftritte in der Champions League. Doch heute scheint es angebracht, das Bild zu korrigieren. Der FC Basel liegt 19 Punkte hinter dem Überraschungsmeister Thun zurück, YB sogar 25. Diese Differenz verstärkt die Unzufriedenheit. Sowohl in der Chefetage des FC Basel als auch bei YB werden Grundsatzfragen gestellt, da Trainerwechsel keine Besserung brachten. Interessanterweise sind die Resultate unter Lichtsteiner und Seoane schlechter als zuvor unter Ludovic Magnin und Giorgio Contini. Dies zeigt eine komplexere Problematik: Die Teams wirken nicht harmonisch, es bestehen Fragen zur Hierarchie und Energie innerhalb der Mannschaften. YB erlebt seit Wochen Schwächephasen, die sportliche Führung sitzt oft sprachlos auf den Rängen. Beobachtungen beim Basler 2:0-Sieg über Winterthur zeigen eine Mannschaft, die situativ gefällig ist, aber oft ohne Zusammenhalt agiert. David Degen, Basels Vorstandsvorsitzender, fasste es zusammen: „Wir sind kein Team.“ Dies zeigt sich besonders in Spielen gegen Thun. YB steht ebenfalls vor Herausforderungen. Gerardo Seoane versucht vergeblich, das Team zu formen und die afrikanisch-frankofonen Spieler zu integrieren. Lichtsteiner hingegen startete direkt im Trubel, wobei seine drei Verwarnungen zeigen, wie schwierig der Weg ist. Beide Klubs stehen vor notwendigen Veränderungen: Basel hofft auf eine Erneuerung des Teamgeists mit dem erwarteten Spielerwechsel im Sommer. YB wird ebenfalls Veränderungen durchlaufen müssen, da auch dort Zweifel am Trainerstab bestehen. Der Erfolg hat zu Wohlstand geführt, aber auch zu Unruhe innerhalb der Mannschaft. Zwei Zahlen unterstreichen die Probleme: Kein Team in den Top 6 hat so viele Platzverweise wie YB (8), und keines so viele Gegentore wie diese (56). Ein „ganz grosser“ Status ist damit unerreichbar.