Der FC Thun steht kurz davor, die Schweizer Fußballwelt zu begeistern. Der Klub, der gerade erst in die höchste Liga aufgestiegen ist, könnte nun schon zum Meister gekrönt werden.
Diese Entwicklung zieht nicht nur lokale Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch das Interesse internationaler Medien. “Aussenseitergeschichten faszinieren Fußballfans weltweit, insbesondere in England”, erklärt der britische Journalist Alex Brotherton von der BBC, der über den FC Thun berichtet. “Die Leistung des FC Thuns ist eine unglaubliche Geschichte.”
Diese außergewöhnliche Erfolgsgeschichte hat nun auch französische Zeitungen wie “L’Equipe”, die deutsche Sportschau und sogar die amerikanische “Times Union” sowie vietnamesische Medien inspiriert. Dass der Meistertitel für Thun plötzlich greifbar nahe ist, hätte vor wenigen Jahren noch niemand erwartet.
Der letzte bedeutende Erfolg des Klubs war vor zwei Jahrzehnten der Vizemeistertitel. Ein weiteres Highlight war die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase 2005 nach einem Sieg gegen Malmö. Jedoch folgte danach ein Tief: 2007 verwickelten sich Spieler in einen Sexskandal, zwei wurden wegen Missbrauchs einer Minderjährigen verurteilt. Im Jahr 2016 stand der Verein kurz vor dem Konkurs, wobei Stadträte und private Investoren sowie der Fanclub Herzblut mit finanzieller Unterstützung einsprangen.
Luki Frieden, Präsident des Fanvereins “Härzbluet füre FC Thun”, ist überwältigt von dem Erfolg: “Wir standen schon kurz vor dem Aus. Jetzt haben wir etwas Unersetzliches: Eine Einheit und gegenseitige Unterstützung in den Reihen.” Denise Hintermann, eine Anhängerin aus Schönried, beschreibt die Situation als “wahnsinnig” für das gesamte Berner Oberland: “Wie sie vom Nobody zum Tabellenführer wurden, ist einfach phänomenal.”
Hansruedi Siegenthaler aus Zweisimmen ergänzt: “Für mich als Oberländer ist es ein Riesenstolz.” Daniela Haldimann aus Zäziwil fügt hinzu: “Ich kann gar nicht in Worte fassen, was das bedeutet.”
Auch der FC Thun selbst war von dem Erfolg überrascht. Präsident Andres Gerber erklärt: “Wir dachten nie daran, so weit zu kommen.” Daher seien vor Beginn der Saison auch keine Meisterprämien ausgehandelt worden: “Unser Ziel war es schon als unter die ersten Sechs einzuziehen.”
Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Alex Brotherton von der BBC sieht darin eine perfekte Konstellation: “Die Spieler kennen sich gut, Trainer und Mannschaft sind seit Jahren zusammen, und die Großklubs wie YB und Basel haben eine schwache Saison gespielt.” Diese Heldengeschichte findet weltweit Anklang und bewegt Menschen über nationale Grenzen hinweg.