Mit Andri Silberschmidt tritt die FDP mit einem einzigen Kandidaten für den Zürcher Regierungsrat an. Dies bedeutet das Aufgeben des Ziels einer Doppelvertretung, nachdem der zweite Sitz im Jahr 2019 verloren ging. Die Parteileitung gab am Montag bekannt, dass Silberschmidt, ein 32-jähriger Nationalrat und Unternehmer aus Affoltern am Albis, die Nachfolge von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh anstrebt, die mit 68 Jahren nicht mehr kandidiert. Die Delegiertenversammlung muss seine Kandidatur am 23. Juni noch bestätigen.
Andri Silberschmidt, der seit 2019 Nationalrat ist und zuvor im Zürcher Stadtparlament saß, betont, dass er mit seiner Bewerbung eine vielfältigere Perspektive in den Regierungsrat bringen möchte. Er argumentiert: “Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als ich, und ich finde es wichtig, dass nicht alle im Team über fünfzig sind.” Seine unternehmerische Laufbahn sieht er als wertvolle Erfahrung für eine politische Karriere an.
Silberschmidt plant, die Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Zürich zu stärken und setzt dabei auf eine bürgerfreundlichere Steuerbehörde sowie Vereinfachungen bei der Unternehmensgründung. Er sieht den Staat als Dienstleister, der Eigeninitiativen fördern sollte. Trotz eines bürgerlichen Mehrheitsverhältnisses in der Regierung kritisiert er das stetige Wachstum von Ausgaben und Personalbestand.
Trotz früherer Ambitionen auf den Bundesrat sagt Silberschmidt, dass seine momentane Bestrebung ausschließlich auf die Position des Regierungsrates gerichtet sei. Er plant, alle anderen beruflichen Verpflichtungen zugunsten seiner politischen Karriere zurückzustellen und versichert, dass sein Gastrounternehmen ohne ihn bestehen kann.
Die strategische Entscheidung der FDP, nur einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, wird von Silberschmidt mit dem Verteidigen des aktuellen Sitzes sowie der Stärkung der Partei bei den Parlamentswahlen und der Sicherstellung einer bürgerlichen Mehrheit in der Regierung begründet. Die FDP steht vor der Herausforderung, nach verlorenen Stimmen im letzten Wahlzyklus ihren Einfluss zu bewahren.
Silberschmidt zeigte sich bereit, jede Direktion anzunehmen und betont seine besondere Eignung für die Finanzen oder Volkswirtschaft aufgrund seiner akademischen Ausbildung und beruflichen Erfahrung. Trotz eines früheren provokativen Kurses legt er nun Wert auf Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft, um politische Ziele zu erreichen.
Letztlich hält Silberschmidt drei Amtszeiten als Regierungsrat für realistisch, bevor er sich anderen beruflichen oder persönlichen Zielen widmen könnte.