Der 1. Mai ist in der Schweiz hauptsächlich als “Tag der Arbeit” bekannt. Doch weltweit wird dieser Tag vielfältig gefeiert, oft verbunden mit Frühlingsbräuchen und alten Traditionen.
In Frankreich verwandelt sich am 1. Mai die Landschaft in ein Meer von weissen Blüten: Verkäufer bieten überall Maiglöckchen-Sträusse an, welche sie als Glücksbringer verschenken dürfen – eine Praxis, die nur an diesem Tag steuer- und lizenzfrei erlaubt ist. Der Ursprung dieses Brauchs führt zurück auf König Karl IX., der im Jahr 1560 so begeistert von einem Maiglöckchen war, dass er fortan alle Hofdamen am 1. Mai mit solch einem Geschenk bedachte.
In Grossbritannien ist der “May Day” tief verwurzelt: Er symbolisiert den Beginn des Sommers und reicht zurück zu den Kelten, Römern und Germanen. Bekannt sind hier insbesondere die Maibaumtänze und die Wahl einer Maikönigin, welche die Festlichkeiten anführt. Morris Tänze, aufgeführt von Gruppen bei Sonnenaufgang, sind ebenfalls ein beliebter Bestandteil des Tages.
Im Südosten Englands zieht “Jack in the Green”, ein Mann verkleidet und umhüllt mit Blättern und Blüten, durch die Strassen. Er steht für die Wiedergeburt der Natur und verwandelte sich aus einem ursprünglich skurrilen Brauch zu einem lebendigen Spektakel.
In Finnland ist der “Vappu” hauptsächlich ein Studierendenfest, das bereits am Vorabend beginnt: Die Feierlichkeiten starten mit dem Waschen der Statue Havis Amanda und dem Anbringen einer weissen Abiturmütze. Am 1. Mai selbst finden Paraden und Konzerte statt, wobei Sima (eine Art Met) und Tippaleipä zum traditionellen Essen gehören.
Deutschland erlebt in der Nacht auf den 1. Mai eine mystische Transformation im Harzgebirge: Zehntausende verkleiden sich als Hexen oder Teufel, tanzen um große Maifeuer und nehmen an Umzügen teil, die bis in die Morgenstunden andauern. Diese Bräuche haben ihren Ursprung in vorchristlichen Ritualen zur Feier der Naturneuzeit. Später wurde das Fest mit der heiligen Walburga verbunden.
Die Erzählung von Hexensammlungen im Harz während der Walpurgisnacht und deren Tanz mit dem Teufel, bekannt gemacht durch Goethes “Faust I”, ist ebenfalls ein fester Bestandteil dieser Traditionen.