Seit Mai 2025 befindet sich Karim Khan, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC), in einer Zwangspause. Ihm wird von einer früheren Mitarbeiterin vorgeworfen, sie zu sexuellen Handlungen gedrängt zu haben – eine Anschuldigung, die er entschieden zurückweist. Während der Untersuchung hat Khan sein Amt niedergelegt. Diese Vorfälle haben den ICC in seine bisher größte Krise gestürzt.
Berichte des “Wall Street Journal” und des “Guardian”, basierend auf Zeugenaussagen und Audioaufnahmen, legen nahe, dass Katar zwei Agenturen mit der Überwachung der Klägerin beauftragt haben könnte. Ziel sei es gewesen, ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben, was Katar entschieden zurückweist.
Die Anschuldigungen gegen Khan entstanden im Kontext von Haftbefehlen gegen Israel und Hamas-Funktionäre, die der ICC im November 2024 erließ. Diese Entscheidung löste international, insbesondere in den USA und Israel, die nicht dem Römer-Statut des ICC beigetreten sind, heftige Kritik aus.
Die angeblichen Verbindungen Katars zur Affäre Khan sind brisant: Das Emirat unterhält diplomatische Beziehungen mit Washington und vermittelt in Nahost-Fragen, während es gleichzeitig enge Kontakte zur Hamas pflegt. Laut Zeugenaussagen soll Katar Khan zugesichert haben, ihm Unterstützung zu bieten, falls er gegen Netanyahu vorgehen würde. Khans Anwalt dementiert jedoch jeglichen Kontakt mit katarischen Vertretern vor der Entscheidung.
Die beiden Geheimdienst-Agenturen bestreiten ebenfalls die Vorwürfe. Eine von ihnen räumte ein, im Rahmen einer Operation sensibel Informationen über die Klägerin gesammelt zu haben, allerdings nicht in Bezug auf ihre Person. Die Detektive versuchten erfolglos, eine Verbindung der Frau nach Israel nachzuweisen und gingen dabei professionell vor.
Katar bestreitet alle Anschuldigungen als Desinformation. UNO-Ermittler fanden Hinweise auf nicht einvernehmlichen Kontakt zwischen Khan und der Mitarbeiterin, jedoch reichen die Beweise für eine rechtliche Verurteilung noch nicht aus. Die Klägerin äußerte sich erschöpft über den langwierigen Prozess, der sie von ihrer ursprünglichen Absicht, im ICC unauffällig zu dienen, weit entfernt hat.