Der Stadtrat von Zürich hat ambitionierte Pläne vorgelegt, um den Hauptbahnhof weitgehend vom Autoverkehr zu befreien. Laut dem «Weissbuch» sollen weite Flächen für Flaniermeilen und begrünte Areale umgestaltet werden, die Hitze mindern sollen. Obwohl die Strategie «Aufbruch in den Stadtraum Hauptbahnhof 2050» viele rot-grüne Vorstellungen erfüllt scheint, gibt es Widerstand. Pro Velo Kanton Zürich kritisiert, dass der Veloverkehr vernachlässigt und sogar eingeschränkt werde, obwohl das Potential für dessen Nutzung gross sei.
Im Parlament, bekannt für seine starke Velolobby, wurde die Debatte eröffnet. Parteien wie SP, Grüne, GLP und AL drängten den Stadtrat dazu, ein Konzept für Veloverbindungen über zentrale Bahnhofsareale zu entwickeln, da dies bisher nicht vorgesehen sei. Anna Graff (SP) betonte, dass die Umleitung des Veloverkehrs notwendig sei, um gefährliche Situationen zu vermeiden.
Trotz Einwände von Martina Zürcher (FDP), welche meinte, der Plan widerspreche dem Ziel einer autofreien Zone, wurde ein Postulat zur Erarbeitung eines Konzepts überwiesen. Auch die Forderung nach getrennten Spuren für Auto- und Veloverkehr in Unterführungen stiess auf Gegenwehr bei der SVP.
Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) betonte das Ziel, Velorouten oberirdisch zu führen. Trotz kleinerer Differenzen herrschte Einigkeit darüber, dass die Vision des autofreien Bahnhofs richtig sei und den Raum für Fussgängerinnen und Fussgänger optimieren würde.
Kritiker aus der FDP warfen dem Plan vor, ein dogmatisches Anti-Auto-Konzept zu sein und sprachen von Marketinggründen. Stephan Iten (SVP) hinterfragte die Umwandlung des Verkehrsknotens in eine Erholungszone und prognostizierte Widerstand vom Kanton.
Die Diskrepanz zwischen Stadt- und Kantonsplänen wird anhand der laufenden Auseinandersetzungen um einen Veloweg am Neumühlequai deutlich. Diese Debatte könnte ein Vorgeschmack auf zukünftige Konflikte rund um den Hauptbahnhof sein.