In einem seltenen öffentlichen Auftritt nach dem Herzchirurgie-Skandal am Universitätsspital Zürich wies Francesco Maisano alle Anschuldigungen von sich und kündigte rechtliche Schritte gegen Thierry Carrel an. Im Gespräch mit NZZ AM SONNTAG erklärte Maisano, warum er nach jahrelangem Schweigen nun spricht: Er sei stets der Meinung gewesen, dass seine Angelegenheiten formell zu seinen Gunsten geklärt worden seien. Heute jedoch könne er die weit von der Wahrheit entfernte Berichterstattung nicht länger ignorieren. Maisano betont das Schweigen zahlreicher Kollegen und ehemaliger Mitarbeiter als belastend. Er argumentiert, dass mehr Transparenz durch ihre Aussagen zu einem besseren Verständnis für Patienten und Institutionen wie dem USZ beitragen würde, dessen Leistungen er hoch schätzt. Maisano widersprach der Darstellung seiner Person als „skrupelloser Innovator“ entschieden. Er betont die Entwicklung von Techniken mit dem Ziel, weniger invasive und sicherere Verfahren zu etablieren, um Patienten zu helfen, die konventionelle Chirurgie nicht überleben würden. Die Vorwürfe der Intransparenz wies er zurück, indem er auf die vollständige Dokumentation und globale Sichtbarkeit seiner innovativen Verfahren hinwies. Er kritisierte Thierry Carrel für dessen Anschuldigungen des Betrugs bezüglich Videopräsentationen und forderte konkrete Belege. Maisano betonte das lückenlose Aufzeichnungsverfahren, das er selbst eingeführt habe. Maisano räumt ein, dass seine klinische Vision nicht immer gut in den institutionellen Kontext integriert wurde, was teilweise an sprachlichen und kulturellen Barrieren lag. Dennoch bestreitet er jegliche Gleichgültigkeit gegenüber Patienten. Der Untersuchungsbericht schätzte eine Übersterblichkeit von 68 bis 74 Patienten während seiner Amtszeit ein. Maisano verweist darauf, dass diese Zahl nach eingehender Prüfung auf etwa siebzig reduziert wurde, wobei elf Fälle der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurden. Maisanos Ansatz war es, auch schwierigsten Patienten eine Operation zu ermöglichen, um deren Überlebenschancen zu erhöhen. Er kritisiert die mediale Konzentration auf das Cardioband und erklärt den Erfolg seines Teams mit der Bereitschaft, komplexe Fälle anzunehmen. Maisano betont, dass seine Beziehungen zur Industrie transparent waren und die Universität einen Anteil an den Einnahmen aus diesen Kooperationen erhielt. Diese Partnerschaften dienten der Integration von Spitzenforschung in die klinische Praxis.