Im Jahr 1818 veröffentlichte eine junge Frau mit gerade einmal zwanzig Jahren einen wegweisenden Science-Fiction-Roman, der die Ängste vor übernatürlichen Geistern durch eine ungebremste Wissenschaft ablöste. Der Roman «Frankenstein» bleibt ein bedeutender Meilenstein in der Literaturgeschichte und verdient doch mehr Aufmerksamkeit für seine Revival-Potenziale.
Die Entstehungsgeschichte des Buches ist bemerkenswert und enthält einen feministischen Unterton: Mary Shelley, eine Britin, erschuf 1818 mit Frankensteins Monster eine der ikonischsten Figuren in Film und Literatur. In einer Epoche, geprägt von mittelalterlicher Vier-Säfte-Lehre in der Medizin sowie erstem Aufkeimen wissenschaftlichen Denkens, verfasste diese junge Autorin einen Roman, dessen Vorahnungen bis heute nachhallen. Victor Frankenstein, ein Schweizer Wissenschafter, gelingt es darin, aus Toten Teilen ein künstliches Wesen zu erschaffen, ohne die daraus resultierenden Konsequenzen für das Geschöpf, die Welt oder sich selbst abzuwägen.
Das Monster wird als abscheulich wahrgenommen und von der Gesellschaft gemieden. Es bittet Frankenstein um eine Gefährtin, doch dieser lehnt aus Sorge vor weltweiten Folgen ab. Im Zorn tötet das Wesen alle Menschen in Frankensteins Umfeld. Shelley wandelt den damals populären Schauerroman neu: Statt Übernatürlichem stehen hier die Wissenschaft und ihr Monster im Mittelpunkt, wobei die Grenzen von Gut und Böse verschwimmen. Der Leser fühlt Mitleid mit dem Monster, da es als ein Produkt seiner Umgebung zum Bösen verurteilt wird.
Dieses Werk bringt eine zentrale ethische Frage auf den Punkt: Darf etwas allein deshalb getan werden, weil es möglich ist? Mary Shelley schuf damit einen Klassiker, der in unserer heutigen Zeit relevanter denn je erscheint.