Seit März wird der berüchtigte Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg nachts abgesperrt, um die Sicherheit zu erhöhen. Doch dieser Schritt stößt auf Widerstand von Anwohnern und Aktivisten. Der Park erscheint an einem ruhigen späten Montagabend im März friedlich: Fahrradfahrer, Spaziergänger und Hundebesitzer ziehen durch die Grünanlage. Ein Hauch von Cannabis liegt in der Luft, während junge Männer aus Afrika Marihuana und Crack verkaufen. Die Anwohner laufen oft einfach vorbei. Einige versammeln sich im Park, um gegen die Schließungspläne zu protestieren. Sie tragen schwarze Jeans und Hoodies, grillen Käse und schwenken Bierflaschen. Seit März wird der Park von einem Wachdienst ab 22 Uhr abgeriegelt – ein Versuch, Drogenhandel und Kriminalität zu reduzieren. Senatorin Ute Bonde von der CDU hatte Anfang Februar drastisch festgestellt: Der Park sei kein Erholungsort mehr. Trotzdem zweifeln viele Aktivisten daran, dass die Lage tatsächlich so gefährlich ist. Initiativen wie «Görli 24/7» und «Rave against the Zaun» sehen die Maßnahme als Symbolpolitik. Das Viertel um den Görlitzer Park ist lebendig mit Gründerzeitgebäuden und einem links-grünen Lebensstil, geprägt von veganen Restaurants und sozialer Akzeptanz. Seit Ende der 1980er Jahre existiert hier ein Park, der Spielplätze und Grillmöglichkeiten bietet, aber auch Drogenhandel und Gewalt. Nach schweren Vorfällen wie einer Vergewaltigung im Sommer 2023 wurde die nächtliche Schließung beschlossen. Doch Zweifel an den Umständen dieses Vorfalls bleiben bestehen. Der Park wird nun von Stahltoren und Drehkreuzen gesichert, trotz zahlreicher vorheriger Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage. Die Anwohner sind überwiegend gegen die Schließung – viele sehen sie als «Geldverschwendung» an. Einige fühlen sich unbeeindruckt von den Veränderungen und betonen, dass Vorsicht in Großstädten allgemein notwendig sei. Jutta, eine 60-jährige Anwohnerin, äußert Müdigkeit gegenüber der Situation. Sie berichtet von eigenen Begegnungen mit Kriminalität und fragt sich, wie viel Sozialarbeit noch nötig ist. Aktivisten des Bündnisses «Görli zaunfrei» haben Klage beim Verwaltungsgericht Berlin eingereicht. Ihr Anwalt David Werdermann betont die Notwendigkeit, den öffentlichen Raum zu schützen und spricht von Gerechtigkeitsfragen. Ein Gegenvorschlag zum Zürcher Modell wurde entwickelt, um Bedürfnisse der Allgemeinheit und Süchtiger auszubalancieren. Doch ohne konsequente Verfolgung des Drogenhandels bleibt die Umsetzung fraglich. Dealer reagieren flink auf das Auftauchen von Polizeiautos, Geschäfte werden in Sekunden abgewickelt. Der Park bleibt ein Zentrum kontroverser Diskussionen und Auseinandersetzungen um seine Zukunft.