Mit Hunderten Millionen Followern, die ihm vertrauen, fragt sich: Wird MrBeast alias Jimmy Donaldson seine Fans bald in Kryptowährungsspekulationen verwickeln? Der einzige Milliardär seiner Art verschenkt sein Vermögen großzügig und wächst dadurch noch reicher. In einem seiner Videos verteilt der 28-Jährige im New Yorker Stau tausende Dollar an Autofahrer, um deren Laune zu heben. Ein anderes Video belohnt zwei Männer mit täglich 10.000 Dollar für ihr Überleben in der Wildnis. An einem Fallschirm befestigtes Geld wird dabei aus einem Flugzeug abgeworfen.
Ursprünglich Jimmy Donaldson genannt und aus Kansas stammend, begann er bereits mit 13 Jahren, YouTube-Videos zu produzieren. Sein Durchbruch gelang ihm mit einer Zähl-Challenge bis zu hunderttausend ohne Unterbrechung. Heute gilt MrBeast als erfolgreichster Social-Media-Unternehmer oder Creator. Allein auf seinem Hauptkanal folgen 474 Millionen Menschen, die er mit immer teureren “Challenges” fesselt (z.B.: “Würdest du für 500.000 Dollar riskieren zu ertrinken?”).
MrBeast nutzt seine Popularität geschickt zur Gründung eines Firmenimperiums: Seine Firma Beast Industries produziert nicht nur hochwertige Medieninhalte, sondern auch eigene Schokoriegel unter dem Markennamen Feastables und betreibt den globalen Fast-Food-Anbieter MrBeast Burger, der über Lieferdienste operiert. In Zürich oder Winterthur kann man bei Just Eat ein “Beast Style Menu” bestellen – für 26,50 Franken.
Nun wagt er den Schritt in die Finanzwelt: Im Oktober registrierte er das Markenzeichen “Beast Financial”, und im Februar kaufte er die Bank-App Step mit sieben Millionen Nutzern. Experten sehen darin einen klugen Zug, da sich Steps App speziell an Jugendliche richtet, deren Finanzpräferenzen noch nicht feststehen.
Die Anmeldung beim Patentamt verrät, dass MrBeast umfassende Finanzprodukte plant: Sparkonten, Debit- und Kreditkarten sowie Beratung im Bereich Kryptowährungen. Er möchte sein Publikum über finanzielle Themen aufklären, da er selbst keine formale Ausbildung in diesem Bereich genossen hat.
“MrBeasts Botschaft ist für seine Fans sehr glaubwürdig”, sagt Hans Neubert, Social-Media-Experte und Gründer der Bundesgesellschaft für digitale Medien. Erst im Januar investierte die Kryptofirma Bitmine 200 Millionen Dollar in Beast Industries, deren Chef Tom Lee ein bekannter Befürworter von Ether ist.
US-Senatorin Elizabeth Warren äußert Bedenken, dass MrBeast Kinder zu Krypto-Investitionen animieren könnte. Sie forderte Informationen über die geplanten Schritte bei Step ein.
Laut Andreas Lanz von der Universität Basel könnte MrBeasts Einfluss das Interesse an Kryptowährungen erhöhen. Die Frage sei, ob dies problematisch sei: Beim Geldanlegen lerne man vor allem durch Fehler.
MrBeast bleibt erfolgreich und stärkt mit seinen Videos gezielt seine Marke. Er investiert sein Vermögen klug in immer aufwendigere Herausforderungen und baut damit seinen Einfluss aus, ohne die eigene Marke zu beschädigen. Neubert sieht ihn als Pionier der neuen Creator-Ära, in der Influencer ihre eigenen Marken aufbauen.
Die Goldman Sachs prognostiziert, dass die Creator-Economy bis 2027 ein Volumen von fast 500 Milliarden Dollar erreichen wird. MrBeast ist nicht nur YouTube-Star, sondern auch Thema eines Harvard Business School Case-Studiums, das zukünftige Banker studieren werden.