Reagieren Sie anders auf eine gereizte Vorgesetzte oder einen Chef, der schlecht gelaunt ist? Eine neue Studie zeigt, dass die Reaktionen oft geschlechtsspezifisch sind. Professorin Carys Chan von der Universität erklärt, dass Mitarbeiter unterschiedliche Erwartungen an Chefinnen und Chefs haben. Männer-Führungskräfte werden toleriert, wenn sie weniger emotionale Unterstützung bieten, während von Frauen mehr Fürsorge erwartet wird. Diese Beobachtung ergab eine Umfrage mit 190 Teilnehmenden aus Peru, Israel und Australien.
Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer lasen Fallbeispiele in verschiedenen Sprachen und wurden danach gefragt, wie die Führungskraft wahrscheinlich reagieren würde. Die häufigsten Antworten waren indirekte emotionale Wechselwirkungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden. Mitarbeiterinnen schätzten emotionalere Unterstützung von Chefinnen, während Mitarbeiter mehr aufgabenorientierte Hilfe von Männern erwarteten.
Positive Führungskompetenzen werden als motivierend angesehen, wohingegen negative Emotionen Stress und Kündigungsabsichten fördern könnten. Interessanterweise zeigen Studien, dass Männer bei familiären Konflikten mehr Unterstützung erhalten als Frauen, was Professorin Jamie Gloor von der Universität St. Gallen bestätigt: «Ein gestresster Mann aufgrund von Betreuungsaufgaben fällt aus dem Rahmen und motiviert die Mitarbeitenden stärker zu helfen.»
Weitere Studien beleuchten Geschlechterunterschiede in Diskursen, wie etwa die Unterbrechungen der Richterinnen am Obersten Gerichtshof der USA durch männliche Kollegen oder Anwälte. Diese Unterscheidung zeigt sich auch im Schweizer Parlament, wo Frauen weniger Redezeit zugestanden wird. Eine Untersuchung von 2019 ergab, dass eine Ständerätin durchschnittlich 19% weniger spricht als ein Ständerat und ähnliche Ergebnisse zeigten sich im Nationalrat.
Selbst bei gleicher Redezeit ist die Wahrnehmung der Zuhörer oft verzerrt: Frauen scheinen länger zu sprechen, obwohl dies nicht der Fall ist. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Führung und Kommunikation sind ein wichtiges Forschungsgebiet.