Seit über drei Jahrzehnten ist Gilbert D’Alessandro als Busfahrer in Freiburg tätig. Er liebt seinen Beruf, erkennt jedoch eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Laufe der Jahre.
“Die Belastungen nehmen stetig zu”, erklärt er gegenüber RTS. “Vor 37 Jahren hatten wir zwar alte Fahrzeuge ohne moderne Technologien, aber weniger Druck. Heute sind die Busse technisch auf dem neuesten Stand, doch es gibt zusätzliche Herausforderungen wie Trottinetts und Fahrräder auf den Busspuren.”
Gilbert D’Alessandro verbringt täglich acht bis zwölf Stunden am Steuer, was einer Strecke von Freiburg nach Barcelona entspricht. Um das Gleichgewicht zu bewahren, hat er sein Pensum reduziert. “Ich beginne den Tag mit einem Lächeln wegen meiner Leidenschaft für meinen Beruf”, sagt er, fügt jedoch hinzu: “Abends bin ich dann sehr erschöpft.”
Ähnliche Erfahrungen macht Malika Meyrat, eine 35-jährige Busfahrerin in La Chaux-de-Fonds. Nach sieben Jahren im Job stellt sie fest, dass sich die Verkehrssituation stark verändert hat und ihre Gesundheit beeinträchtigt: “Es führt zu Muskelschmerzen, insbesondere im Nacken-, Schulter- und unteren Rückenbereich.”
In der Deutschschweiz werden die Arbeitsbedingungen von ÖV-Fahrpersonal ebenfalls diskutiert. So gab es in Winterthur beinahe einen Streik Anfang dieses Jahres, und das Personal in Zürich protestierte für bessere Bedingungen. Bei Stadtbus Winterthur kam es zu einem Arbeitskonflikt aufgrund langer Dienste und kurzer Ruhezeiten. Nach Verhandlungen zeichnet sich eine Einigung ab: Die Bedingungen sollen verbessert werden, weitere Streiks sind vorerst ausgeschlossen.
Pablo Guarino von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals betont, dass trotz Einhaltung gesetzlicher Vorgaben Verbesserungsbedarf besteht. “Arbeitsbedingungen müssen optimiert werden, insbesondere durch kürzere Arbeitszeiten”, fordert er und warnt davor, dass finanzielle Einsparungen oft zu Lasten der Bedingungen gehen.
Die Branche ist von gesundheitlichen Risiken geprägt, darunter ein erhöhtes Suizidrisiko und Lungenerkrankungen. In der Romandie wurde das Projekt Trapheac initiiert, um Arbeitsbedingungen zu erforschen. Laut ersten Ergebnissen fühlt sich etwa ein Drittel der Befragten erschöpft.
Erste Maßnahmen werden erwogen: “Ein Ruheraum während der Pausen kann Stress reduzieren”, sagt Irina Guseva-Canu, Professorin an der Universität Lausanne.
Weitere Studienergebnisse sollen in den kommenden Jahren ausgewertet werden, um die Bedingungen nachhaltig zu verbessern. Die gesundheitliche Belastung fällt in eine Phase großer personeller Umbrüche im öffentlichen Verkehr. Bis 2030 geht ein erheblicher Teil der Belegschaft in den Ruhestand – besonders im Fahrdienst. Transportunternehmen setzen verstärkt auf Weiterarbeit über das Rentenalter hinaus und neue Ausbildungsprogramme, um Engpässe zu verhindern.